Die europäische Schuldenkrise ist noch nicht vorbei

Die amerikanische Ratingagentur Egan-Jones hat die Kreditwürdigkeit Deutschlands herabgestuft. Deren Chef Sean Egan glaubt, dass Deutschland nicht ungeschoren durch die Finanzkrise der Europäischen Union kommen wird. Seiner Meinung nach ist die einzige Kraft, die noch für die Verluste Südeuropas einstehen kann, die deutschen Steuerzahler. Er ist sich ganz sicher, dass sie es sind, die am Ende draufzahlen werden. Sean Egan ergänzt: „Und bei einer solchen Belastung kann Deutschland unmöglich seine Bestnote behalten.“ Der frühere Investmentbanker und Absolvent der Harvard Business School gründete im Jahr 1995 zusammen mit einem Geschäftspartner die Ratingagentur Egan-Jones. Derzeit prüft das Unternehmen die Kreditwürdigkeit von rund 1.250 Firmen und Länder.

Auch Portugal steuert auf eine Staatspleite zu

Sean Egan gibt allerdings zu, dass die massive Kapitalspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) die Marktteilnehmer kurzfristig beruhigt hat, wodurch die Anleihezinsen selbst in vielen Problemstaaten gesunken sind. Doch er hält dies für eine trügerische Ruhe. Sean Egan erklärt: „Die EZB hat den Kollaps des Systems nur hinausgezögert, verhindern kann sie ihn nicht. Vergessen Sie nicht: Kapitalspritzen lassen sich nicht ewig verabreichen, Schulden nicht einfach so wegzaubern – am Ende muss immer jemand die Verluste tragen.“

Der Chef der Ratingagentur Egan-Jones rechnet mit weiteren Staatspleiten im Euroraum. Seiner Meinung nach steuert das Drama erst auf seinen Höhepunkt zu. Sean Egan hat keinen Zweifel daran, dass es nach Griechenland auch Portugal treffen wird. Er erläutert: „Wenn die Wirtschaft eines Landes so stark schrumpft und gleichzeitig die Zinskosten für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit bei rund zehn Prozent liegen, ist eines klar: Das ist ein unhaltbarer Zustand.“

So bewertet die Ratingagentur Egan-Jones die Zahlungsfähigkeit von Ländern

Auf in Spanien und Italien fehlt es laut Sean Egan an Wachstum. Beide Länder geraten seiner Meinung nach unweigerlich in dieselbe Lage wie Portugal, wenn die Eurokrise nur ein wenig wieder aufflammt. Sean Egan ergänzt: „Und noch ein Wort zu Griechenland: Die aktuelle Umschuldung war mit großer Sicherheit nicht die letzte.“ Der Chef der Ratingagentur ist davon überzeugt, dass trotz der vielen Hilfspakete Griechenland weiter auf einem Schuldenberg sitzen bleiben wird, den es langfristig nicht bedienen kann. Sean Egan rechnet zwar nicht sofort mit einem weiteren Schuldenschnitt, aber ein solcher wird früher oder später unumgänglich sein.

Wenn die Ratingagentur Egan-Jones die Zahlungsfähigkeit eines Landes bewertet, geht sie immer auf die gleiche Art und Weise vor. Sean Egan erklärt: „Vereinfacht gesagt, schauen wir uns zuerst den Schuldenstand eines Landes im Vergleich zur Wirtschaftsleistung an. Darauf überlegen wir, welche Zinskosten sich ein Staat für neue Anleihen maximal leisten kann.“ Die Analysten von Egan-Jones stellen sich schließlich noch die Frage, ob ein Land noch über Möglichkeiten verfügt, seine Steuereinnahmen deutlich zu steigern oder Leistungen zu kürzen. Sind diese Fragen alle beantwortet, fällt die Ratingagentur Egan-Jones ihr Urteil.

Von Hans Klumbies

 

2 Gedanken zu „Die europäische Schuldenkrise ist noch nicht vorbei

  • 16. April 2012 um 23:01
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    Dass die Bonität Deutschlands herabgestuft wurde, ist kein Wunder. Denn die Rettungspakete sind nach dem Muster „die letzten beißen die Hunde“ gestrickt. Fällt ein Land als Auffangnetz aus und wird selbst zum Netz Suchenden, so müssen alle anderen helfen. Deutschland wäre vermutlich das letzte Land, welches alle anderen auffangen müsste. Bereits heute, über das Target2-System, hat Deutschland bzw. seine Bürger (Sparer) erhebliche Forderungen gegen das Eurosystem aufgebaut. Über 600 Mrd. Euro an Forderungen, besichert mit Anleihen, die nunmehr mehr als zweifelhaft sind. Allein deswegen stehen unseren Schulden vermutlich weniger Vermögen als wir glauben gegenüber, denn ein guter Teil unseres Vermögens ist faktisch über das europäische Bankenzahlungssystem bereits in die schwächeren Euroländer abgeflossen. Die Krise ist nicht vorbei, wohl wahr!

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  • 1. Juni 2012 um 00:30
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    Bitte teilt den Aufklärungslink gegen den ESM-Vertrag mit euren Freunden, Bekannten auf Facebook (an die Pinnwand des Freundes posten), per Mail und so weiter – die Zeit wird knapp, umso mehr sich darüber informieren, um was es sich bei diesem diktatorischen Ding handelt, umso besser!

    Hier der Link zu dem Video auf YouTube

    http://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0

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