Pflanzliche Medikamente helfen gegen Stress

Stress gehört zum Leben. In früheren Zeiten war es der Kampf ums blanke Überleben, der die Menschen unter Dauerstress setzte. In vielen Ländern ist das heute noch so – nicht jedoch in Deutschland, wo es den meisten Menschen besser geht als je zuvor. Gleichzeitig wird aber auch mehr als je zuvor über Stress geklagt. Was hilft? Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training können ebenso hilfreich sein wie Änderungen des Lebensstils oder eine Psychotherapie. Eine besondere Hilfe bieten pflanzliche Arzneimittel. Anders als etwa die immer noch zu häufig verordneten Benzodiazepine machen Phytopharmaka nicht süchtig. Im Gegensatz zu synthetischen Beruhigungsmitteln beeinträchtigen sie auch nicht die Fahrtüchtigkeit. Und nicht zuletzt sind sie besser verträglich als Tranquilizer und Co., berichteten Wissenschaftler auf einer Tagung in München.

Chronischer Stress führt zu einer Erschöpfungsreaktion

Mit kurz anhaltenden Stresssituationen kommt der menschliche Körper in der Regel gut zurecht. In solchen Momenten schüttet er vermehrt Hormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin aus. Sie lassen den Blutzuckerspiegel sowie Herzschlag, Blutdruck und Durchblutung ansteigen; der Körper macht sich gleichsam bereit für Kampf oder Flucht. Problematisch wird es erst, wenn der Stress über längere Zeit anhält. „Denn chronischer Stress führt irgendwann zu einer Erschöpfungsreaktion“, sagt Berthold Musselmann, Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren der Universität Heidelberg.

Zu den Folgen zählt der drastische Anstieg der Rate von Zivilisationskrankheiten und aller wichtigen Todesursachen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs. „Für den Einsatz bei stressbedingten Problemen und Erschöpfungssymptomen wie Burnout eignen sich vor allem Phytopharmaka mit beruhigenden, entspannenden, den Geruchssinn stimulierenden und sogenannten adaptogenen Wirkungen“, sagt Professor Andreas Hensel, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Universität Münster.

Selbst im Schlaf treten Stresswirkungen auf

Zu den gut untersuchten und durch europäische Pflanzenmonografien abgesicherten Präparaten zählen Zubereitungen aus Lavendelblüten, Hopfenzapfen, Melissenblättern, Baldrianwurzel, Passionsblume und Rosenwurz. „Eine Renaissance erlebt zurzeit Lavendel bei der Behandlung von leichten Erschöpfungssymptomen“, berichtete Professor Andreas Hensel auf einer Tagung des Komitees Forschung Naturmedizin (KFN) in München. Die beruhigende Wirkung von Lavendel haben schon die alten Römer zu schätzen gewusst.

Einige Pflanzen steigern durch spezielle Inhaltsstoffe die Widerstandskräfte des Organismus gegenüber Stress. Zu diesen sogenannten Adaptogenen zählen etwa das Chinesische Spaltkörbchen (Schisandra chinensis) und die Rosenwurz (Rhodiola rosea). Wie Professor Andreas Hensel berichtet, sind mit Schisandra bei menschlichen Probanden leistungssteigernde Effekte und eine beschleunigte Erholung nach körperlicher Erschöpfung nachgewiesen worden. Und trotzdem: Ein Leben ohne Stress gibt es nicht. Selbst im Schlaf treten Stresswirkungen auf. Quelle: Welt Kompakt

Von Hans Klumbies

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