Erst mit den Märkten entstehen die modernen Städte

Ursprünglich bezeichnet das Deutsche mit dem Ausdruck „Markt“ den Hausiererbetrieb römischer Krämer, die seit den Zeiten Cäsars die Lande durchziehen. Allgemeiner heiß „Markt“ das öffentliche Feilbieten von Waren, der Handel oder öffentliche Verkauf, ferner der dafür reservierte große und freie Platz einer Stadt. Laut Max Weber entstehen soziologisch gesehen die modernen Städte sogar erst mit den Märkten; jede Stadt ist ein „Marktort“. Otfried Höffe stellt fest: „Wegen ihrer anthropologisch überragenden Bedeutung findet sich die Institution des Marktes in so gut wie allen Kulturen, im Orient beispielsweise als Basar.“ Spezialisierten sich die Märkte, so gibt es je nach Gegenstand den Fischmarkt, Kornmarkt oder Rindermarkt, außerdem den meist nicht ortsgebundenen Arbeits-, Geld- und Kapitalmarkt. Otfried Höffe ist Professor für Philosophie und lehrte in Fribourg, Zürich und Tübingen, wo er die Forschungsstelle Politische Philosophie leitet.

Märkte entstehen an den Schnittpunkten wichtiger Handelsstraßen

Nach der Häufigkeit, mit der die Waren feilgeboten werden, unterscheidet man Tages-, von Wochen- und Jahrmärkten. Der dem Großhandel dienende Markt nennt sich dagegen Messe oder Börse. In den Anfängen, bei den Griechen als Agora und bei den Römern als Forum, hat der Markt noch keinerlei ökonomische Bedeutung. Er bezeichnet den Platz der Volksversammlung, also den Ort der politischen Öffentlichkeit. Erst später erweitert er sich zum Versammlungsplatz der Händler, freilich ohne seine politische Bedeutung aufzugeben, und erst weit später verdrängt die ökonomische die politische Bedeutung.

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Otfried Höffe erklärt: „In Europa, vermutlich aber auch andernorts entstehen Märkte vor allem an den Schnittpunkten wichtiger Handelsstraßen, ferner an Flussübergängen und um Burgen oder Klöster. Häufig entwickeln sich dann um den Handelsplatz städtische Siedlungen, die mit besonderen Vorrechten, dem Marktrecht und Marktfrieden ausgestattet werden.“ Wegen deren Bedeutung beansprucht das Recht, Märkte zu errichten, die fränkischen und deutschen Könige als ihr Vorrecht, das sie jedoch weiterverleihen können.

Über den Ausgleich von Angebot und Nachfrage bilden sich die Preise der Güter

Aus der geographischen und rechtlichen sowie ökonomischen Bedeutung entwickelt sich schließlich das ordnungstheoretische Verständnis, der Markt als eine Institution. In ihr treffen Verkäufer und Anbieter sowie Käufer und Nachfrager aufeinander und bilden über den Ausgleich von Angebot und Nachfrage die Preise aller gehandelten Güter, aber zunächst vor allem von Waren, bald auch von Dienstleistungen, später ebenso von Geld und von Finanzinstrumenten. Der Markt ist die Ordnungsform, die an Tausch, an rationaler Preisbildung und vor allem an Gewinnsteigerung orientiert ist.

Otfried Höffe erläutert: „Als frei gilt nun der Markt, wenn er drei Bedingungen erfüllt.“ Erstens müssen die notwendigen institutionellen Voraussetzungen gegeben sein. Zweitens dürfen im Inneren weder Monopole noch Oligopole noch Kartelle existieren, stattdessen müssen eine ungehinderte Zusammenarbeit und ein vollständiger Wettbewerb herrschen. Und drittens sollen von außen auferlegte Regeln dafür sorgen, dass bei den Grundformen ökonomischer Praxis Kooperation und Konkurrenz in Fairness stattfinden. Quelle: „Kritik der Freiheit“ von Otfried Höffe

Von Hans Klumbies