Große Denker philosophieren über die vergangenen 100 Jahre

Die Sonderausgabe des Philosophie Magazins „1914 – 2014. Das Jahrhundert im Spiegel seiner großen Denker“ umfasst eine einzigartige Sammlung von Artikeln, die Philosophen in den vergangenen hundert Jahren zu den wichtigsten Ereignissen ihrer Epoche veröffentlicht haben. Das Heft ist in vier große Zeitblöcke gegliedert, wobei der erstem vom Jahr 1914 bis zum Jahr 1932 reicht. In ihm schreibt zum Beispiel Ernst Bloch über den Aufstieg Adolf Hitlers, Karl Kraus über den Zynismus des Alltags, Walter Benjamin über die Macht der Technik und Albert Einstein gemeinsam mit Sigmund Freund über den bedrohten Frieden. Der Pazifist Albert Einstein fragt in einem Brief, ob Sigmund Freud eine Möglichkeit kenne, die psychischen Entwicklungen der Menschen so zu leiten, dass sie den Psychosen des Hasses und der Vernichtung gegenüber widerstandfähiger würden. Die Sonderausgabe des Philosophie Magazins ist seit 5. Dezember im Handel und kostet 9,90 Euro.

Tschernobyl wurde zum Symbol für ein mögliches Ende der Welt

Der zweite Abschnitt des Sonderhefts umfasst die Jahre zwischen 1933 und 1945. Hier beschreibt unter anderem Siegfried Kracauer den Weg Deutschlands in die Diktatur, Carl Schmitt über den blinden Gehorsam der Deutschen, Emil Cioran über die Sehnsucht nach einem Führer und Jean-Paul Sartre über die Résistance. Mahatma Gandhi war davon überzeugt, aufbauend auf seine Erfahrungen in Südafrika und Indien, dass sich auch Adolf Hitler durch passiven Widerstand besiegen lasse.

Im Kapitel 1946 bis 1988 wird von großen Philosophen über die unterschiedlichsten Themen nachgedacht und geschrieben. Karl Jaspers beschäftigt sich mit der „Stunde Null“, Albert Camus mit der „Bleiernen Zeit“, Simone de Beauvoir und Evelyn Reed treten für die Emanzipation der Frau ein, Peter Sloterdijk und Ulrich Beck machen sich ihre Gedanken über die Katastrophe von Tschernobyl. Für den Philosophen Peter Sloterdijk stellt der Super-Gau ein mögliches Weltende dar.

Francis Fukuyama prophezeit ein postidelogisches Zeitalter der Langeweile

Peter Sloterdijk schreibt: „Erst der reale Weltuntergang ist die vollkommene Warnung vor dem Weltuntergang; nur das vollzogene Desaster wäre der apokalyptische Beweis einer Wahrheit, die erst als vollständige Enthüllung im Wirklichen hinreichend evident wird; nur in glänzender Selbstvernichtung hätte die Menschheit ihr Lernziel erreicht, die Wahrheit über sich selbst herausgearbeitet und ihr apokalyptisches Curriculum durchlaufen.“ Seiner Meinung nach muss nichts mehr passieren, dass etwas passiert.  

Auch zwischen den Jahren 1989 und 2014 fällt die Vielfalt der Themen auf. Byung-Chul Han denkt beispielsweise über den Drohnenkrieg nach, Peter Singer über Wikileaks, Mezri Haddad über den „Arabischen Frühling“, Jürgen Habermas und Ralf Dahrendorf über die Eurokrise sowie Francis Fukuyama über die Wiedervereinigung Deutschlands. In seinem Artikel über den Fall der Mauer prophezeit Francis Fukuyama ein postideologisches Zeitalter der Langeweile und spricht sogar vom Ende der Geschichte. Für jeden Leser, der sich für Philosophie interessiert ist diese Sonderausgabe des Philosophie Magazins eine Bereicherung.

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 

 

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