Die moderne Philosophie wendet sich dem Menschen zu

Der englische Dichter Alexander Pope schreibt in seinem großen Lehrgedicht aus dem Jahre 1734 folgende Zeilen: „Erkenne dich selbst, versuche nicht, Gott zu durchschauen. Der wahre Forschungsgegenstand der Menschheit ist der Mensch.“ Laut Ger Groot war es Immanuel Kant, der diese Idee zum ersten Mal philosophisch explizit und richtungsweisend formulierte. Er beginnt seine Studie „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ mit dem Satz: „Alle Fortschritte in der Kultur, wodurch der Mensch seine Schule macht, haben das Ziel, diese erworbenen Kenntnisse und Geschicklichkeiten zum Gebrauch für die Welt anzuwenden. Aber der wichtigste Gegenstand in derselben, auf den er jene verwenden kann, ist der Mensch. Weil er sein eigener letzter Zweck ist.“ Ger Groot lehrt Kulturphilosophie und philosophische Anthropologie an der Erasmus-Universität Rotterdam und ist Professor für Philosophie und Literatur an der Radboud Universität Nijmegen.

Die Metaphysik wird der Frage nach dem Menschen untergeordnet

Immanuel Kant fährt fort: „Ihn also, seiner Spezies nach, als mit Vernunft begabtes Erdwesen zu erkennen, verdient besonders, Weltkenntnis genannt zu werden, ob er gleich nur einen Teil der Erdgeschöpfe ausmacht.“ Die Frage nach dem Menschen ist jetzt nicht mehr nur ein Teilbereich der Philosophie. Nicht mehr untergeordnet der Metaphysik, die nach den Grundstrukturen der Wirklichkeit fragt. Ganz im Gegenteil, die Rollen haben sich verkehrt. Die Metaphysik wird der Frage nach dem Menschen untergeordnet.

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Bei Immanuel Kant findet die spezifische Wende der modernen Philosophie zum menschlichen Subjekt zum Abschluss. Aber mit dem Begriff „Metaphysik“, den Immanuel Kant hier einführt, hat es etwas Sonderbares auf sich. Denn die Frage nach der Struktur der Wirklichkeit (Metaphysik) erhält eine andere Bedeutung. Die Frage lautet nicht mehr: „Wie ist die Wirklichkeit beschaffen?“, sondern: „Wie ist der Mensch beschaffen, dann für ihn eine Wirklichkeit existieren kann?“

Immanuel Kant fragt: „Was kann ich wissen?“

Der Gegenstand der Metaphysik ist für Immanuel Kant zuallererst nicht die Realität an sich, sondern das „Ich“. Das zeigt sich schon an der ersten seiner Fragen: „Was kann ich wissen?“ Er bezeichnet sie als Grundlage der Metaphysik. Metaphysik, ist mit anderen Worten, Erkenntniskritik und Kritik der Vernunft geworden. Von nun an bestimmt das „Ich“ das Wie und Was der Welt. Dabei versteht Ger Groot das Wort Kritik nicht als etwas Negatives. Denn seiner ursprünglichen Bedeutung nach handelt es sich bei der Kritik um eine gründliche (kritische) Untersuchung.

Entsprechend hat Immanuel Kant die Untersuchung der ersten seiner drei Fragen dann auch benannt. Er veröffentlichte sein grundlegendes Werk unter dem Titel „Kritik der reinen (theoretischen) Vernunft“ (1781). „Was kann ich wissen? und vielleicht noch eher: „Was kann ich nicht wissen?“ ist Immanuel Kants grundlegende erkenntniskritische Frage. Und, so kann Ger Groot hinzufügen: „Kant bemüht sich auch, die Grenzen zwischen dem, was wir mittels des Verstandes und der Sinne herausfinden, und dem, wovon wir auf anderen Wegen eine Vorstellung haben können, aufzuzeigen.“ Quelle: „Und überall Philosophie“ von Ger Groot

Von Hans Klumbies