"Der Herr der Ringe" macht J.R.R. Tolkien zum Kult

„Der Herr der Ringe“ handelt von Hobbits, Elfen und Zwergen, von Unholden, Verdammten und Zauberern. Geschrieben hat den Fantasy-Bestseller der Oxford-Professor J.R.R. Tolkien. Sein Hauptwerk wurde mittlerweile in 43 Sprachen übersetzt und hat eine sagenhafte Auflage von 150 Millionen Stück erreicht. Der Autor hat sich weltweit als eine Kultfigur etabliert. Wie bei Fußballvereinen gibt es für den Schriftsteller in vielen Ländern zahlreiche Fanclubs. Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen rätseln noch immer über den literarischen Erfolg des Buches und über die fast schon religiöse Verehrung, die J.R.R. Tolkien bei seinen Anhängern genießt.

Die Welt kann von Dir und mir gerettet werden

Die eigentliche Handlung des Buchs ist schnell erzählt: Ein kleiner Hobbit, den Menschen nicht unähnlich, mit dem Namen Frodo Beutlin, verlässt mit ein paar Getreuen das Auenland, um einen sehr gefährlichen Zauberring in einem feurigen Bergschlund zu vernichten. Unterwegs wird er von den grässlichen Geschöpfen des größenwahnsinnigen Sauron verfolgt, der den Ring braucht, um die Weltherrschaft des Bösen auf Erden zu etablieren. Die Abenteuersaga ist sehr spannend erzählt.

Der englische Dichter Wystan Hugh Auden, der von 1907 bis 1973 lebte, sagte zum Erfolgsgeheimnis des Buchs „Der Herr der Ringe“ Folgendes: „Tolkien hat so etwas wie das Evangelium des 20. Jahrhunderts geschrieben. Seine frohe Botschaft lautet: Die Welt ist in großer Gefahr, aber sie kann gerettet werden – nicht von den Mächtigen, sondern von Dir und mir.“

Die Tugend kämpft gegen die Macht

1961 interpretierte J.R.R. Tolkien sein Hauptwerk in einem Interview angemessen vorsichtig: „Es geht immer um die Macht, natürlich, und wie die Tugend gegen die Macht kämpft. Diese Sage erzählt von einem unbedeutenden Wesen, das auf eine Probe gestellt wird, die seine Kräfte übersteigt, und davon, wie diese Probe es verändert, wie sie die Kraft in ihm wachsen lässt.“

Man kann die Erzählungen von J.R.R. Tolkien auch als Modifikationen interpretieren, die immer um das gleiche Thema kreisen. Es geht um die Verlassenheit der Menschen, die keine Heimat haben und der Suche nach einer Bleibe, am besten in einem Tag, der niemals enden soll.

J.R.R. Tolkien stammt nicht von dieser Welt

J.R.R. Tolkien hat gelegentlich behauptet, dass er nicht von dieser Welt stammt, sondern ein Bewohner der Mittelerde ist: „Ich bin selber ein Hobbit.“ Zwölf Jahre lang arbeitet er an seinem Hauptwerk „Der Herr der Ringe“, meistens in der Nacht. Im Herbst 1949 hat er die Fantasy-Saga vollendet. Er sagt in einem Interview: „Das Buch ist mit meinem Herzblut geschrieben. Mir graut vor dem Erscheinen. Ich habe mein Herz bloßgelegt, und nun kann man danach schießen.“

Das Geheimnis der Schreibkunst von J.R.R. Tolkien besteht wohl darin, dass er keine Geschichten erfindet, sondern sie findet. Seine Erzählungen stammen nicht aus den Blättern der Bäume, sondern sie wachsen wie ein Same im Dunkeln aus dem Blätterhumus seines Geistes, wie er selbst einmal erzählte. Er sagt: „Die Geschichten entstehen aus all dem, was man gesehen, gedacht oder gelesen hat, aus längst Vergessenem, das man aus den Tiefen heraufholt.“

Von Hans Klumbies

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