Platons Höhlengleichnis

Im siebten Buch des Staates befindet sich das berühmte Höhlengleichnis, das den Mythos der irdischen Existenz des Menschen deutet. Platon gliedert das Geschehen in drei Phasen: Im ersten Abschnitt schildert er das Leben der Menschen in einer unterirdischen, höhlenartigen Behausung. Die Bewohner sind seit ihrer Kindheit an Schenkeln und Nacken gefesselt. So sind sie an einen festen Ort gebunden und können nur geradeaus schauen. In der Höhle hinter den gefesselten Menschen gibt es nur ein Feuer, das weit oben in der Ferne brennt.

Die Sonne ist die Quelle des Lebens

Zwischen den Gefesselten und dem Feuer gibt es oben einen Weg, der von einer kleinen Mauer gesäumt ist. Längs der Mauer tragen Menschen Geräte vorüber, die über diese hinausragen. Die Menschen in der Höhle bekommen davon nur die Schatten zu sehen, die das Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Seite der Höhle wirft. Sowie nun einem Höhlenbewohner seine Fesseln abgenommen werden, kann er in der Höhle umhergehen und gegen das Licht schauen. Seine Augen würden allerdings schmerzen und er könnte die wirklichen Gegenstände nicht genau erkennen, die er vorher nur als Schatte gesehen hatte.

Im zweiten Abschnitt wird der von den Fesseln befreite Mensch mit Gewalt den steilen und rauen Aufgang hinaufgeschleppt, bis man ihn an das Licht der Sonne hinaufgezogen hätte. Im ersten Augenblick ist er geblendet und kann gar nichts von dem erkennen, was ihm nun als die wahre Welt vorgestellt wird. Nachdem sich seine Augen an das Licht gewöhnt haben, sieht er zunächst das eigene Spiegelbild im Wasser und erkennt, dass die Sonne für diese Spiegelung verantwortlich ist. Als er die Sonne selbst sieht, wird ihm klar, dass sie die Quelle alles Lebens ist.

Wer die Wahrheit predigt, muss mit seinem Tod rechnen

Im dritten Teil des Höhlengleichnisses kehrt der Befreite in seine ehemalige Behausung zurück und will seinen ehemaligen Mitgefangenen von der Wahrheit des Seins außerhalb der Höhle berichten. Wenn er allerdings versuchen müsste, im Wettstreit mit denen, die immer dort gefesselt waren, jene Schatten zu beurteilen, während sich seine Augen noch nicht wieder an die Dunkelheit angepasst haben, würden ihn die anderen verlachen.

Sie würden sagen, seine neue Sichtweise der Welt sei auf seine verdorbenen Augen zurückzuführen und es lohne sich nicht, auch nur versuchsweise den Aufgang hinaufzusteigen. Wenn er versuchen würde, die anderen Höhlenbewohner zu befreien und hinaufzuführen, würden sie ihn wohl umbringen, wenn sie seiner habhaft werden und ihn töten könnten.

Die wahre Welt existiert nur außerhalb der Höhle

Die Gefesselten in der Höhle zeigen die Menschen in der sichtbaren Welt. Erst wenn diese den Entschluss zur Wende und zum Aufstieg gefasst haben, können sie das Reich der Schatten gegen die Wirklichkeit eintauschen. Die Realität existiert nur außerhalb der Höhle und die Grundlage für alles Sein ist das Hellste, die Sonne. Der Rückstieg in die Höhle zu den anderen ist notwendig, um die Wahrheit zu verkünden.

Selbst auf die Gefahr hin, ausgelacht und getötet zu werden, muss die Wahrheit der Realität gegenüber dem Schein der Höhle gelehrt werden. Platon stellt hier gleichnishaft den Bildungsgang und die Situation des Philosophen dar, der zum Wissen um das Gute gelangt.

Von Hans Klumbies

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