Die Künstliche Intelligenz beeinflusst die persönlichen Beziehungen

Die Künstliche Intelligenz bei der Partnersuche einzusetzen, ist nur ein recht naheliegendes Anwendungsgebiet unter vielen. Statistische Vorhersagenanalysen werden von Algorithmen ausgeführt und empfehlen den Kunden beispielsweise bei Amazon „ähnliche“ Produkte zu aktuellen Käufen, bei Netflix passende Filme und stellen bei Spotify Playlisten der persönlichen Lieblingsmusik zusammen. Warum sollte also die gleiche Technologie also nicht dabei helfen, passende Menschen zusammenzubringen? Holger Volland schreibt: „Die Zukunft des Datings wird sich deshalb eher in den Blackboxes der neuronalen Netze abspielen als auf den Nutzerprofilen von Online-Portalen, deren Aussagen sowieso meist erfunden und übertrieben sind. Dating ist aber nur eine sehr spezielle Form der menschlichen Beziehungspflege.“ Der Informationswissenschaftler Holger Volland lehrte an der Hochschule Wismar Gestaltung und kuratierte große Ausstellungen der Gegenwartskunst in Argentinien und Deutschland.

Bei Facebook entscheidet die Künstliche Intelligenz über Kontakte

Wie sieht es mit anderen Beziehungen aus? Künstliche Intelligenz ist schon heute an einer Vielzahl von kommunikativen Schnittstellen vorhanden und beeinflusst damit indirekt oder direkt die persönlichen Beziehungen zu anderen Menschen. Bei Facebook zum Beispiel entscheidet die Künstliche Intelligenz, mit wem man überhaupt Kontakt aufnimmt. Bei Google Mail macht sie automatische Antwortvorschläge auf E-Mails, die von vielen Nutzern einfach unüberprüft übernommen werden.

Doch damit nicht genug: Die Künstlichen Intelligenzen beginnen auch damit, die Beziehungen zwischen Mensch und Maschine emotional zu gestalten. Sogenannte Chatbots benutzen Tricks, um einen Menschen auf seiner verwundbaren Beziehungsebene zu erreichen. Roboter stellen sich beispielsweise absichtlich dumm, damit Kinder sie als gleichrangig akzeptieren. Und auch die letzte emotionale Hürde wird gerade genommen: Maschinen lernen, wie sie einen Menschen verführen und mit ihm Sex haben können.

Beim Kennenlernen ist vor allem Feinfühligkeit gefragt

Holger Volland fasst zusammen: „Künstliche Intelligenz nimmt also zunehmend Einfluss auf unsere Beziehungen, sie steuert aktiv unser soziales Netzwerk und seine Kommunikationsformen und übernimmt so eine der entscheidenden kulturellen Fähigkeiten von uns Menschen: die Gestaltung unserer emotionalen Bindungen.“ Wenn sich zwei Menschen persönlich von Angesicht zu Angesicht kennenlernen, ist vor allem Feinfühligkeit gefragt. Am Anfang ist es beispielsweise wichtig, nicht sofort allzu viel Persönliches über sich preiszugeben. Wer dagegen verstößt, wirkt befremdlich und übergriffig.

Erst allmählich gehen zwei Verliebte dazu über, mehr Informationen zu offenbaren. Dabei achten sie genau darauf, dass die Balance sichergestellt ist und der andere ähnlich viel preisgibt wie man selbst. Die beiden niederländischen Wissenschaftler Johan C. Karremans und Catrin Finkenauer haben genau untersucht, welche Faktoren bestimmen, ob ein Mensch eine zwischenmenschliche Anziehung zu einer anderen Person empfindet. Zunächst einmal zählt dazu körperliche Attraktivität. Auch wenn man das für oberflächlich halten mag: Es hat biologische Gründe, dass man sich für das attraktive Äußere des Partners interessiert, denn es lässt einen glauben, dass dieser nicht nur schön, sondern auch gut und gesund sei. Quelle: „Die kreative Macht der Maschinen“ von Holger Volland

Von Hans Klumbies

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