Die Kreuzzüge zielten auf die Reinigung der Welt von Heidenbrut

Die Kreuzzüge ins Heilige Land nahmen 1095 ihren Anfang. Papst Urban II. hatte dazu aufgerufen, den bedrängten Byzantinern zu Hilfe zu eilen und gegen das „verruchte Heidenvolk“, das die heiligen Stätten besetzt hielt, zu ziehen. Der Geist, der die Papstreform und die Kämpfe in Italien und Spanien inspirierte, trug auch die Kreuzzüge. Bernd Roeck erläutert: „Sie zielten auf Reinigung der ganzen Welt von Heidenbrut, jetzt, wo vielen der Jüngste Tag nahe schien. Der demographische Aufschwung produzierte Krieger; Freiheit und Abenteuer lockten.“ Europas Adel fand Gelegenheit, Ruhm und Seelenheil zu verdienen, dazu neues Land und Sklaven – sei es im Kampf gegen die Mauren, gegen Ketzernester und Götzenanbeter im Norden und Osten. Bernd Roeck ist seit 1999 Professor für Neuere Geschichte an der Universität Zürich und einer der besten Kenner der europäischen Renaissance.

Aus den Kreuzzügen gingen die Ritterorden hervor

Schon unterwegs im Europa der Christen, wurde das Werk der Reinigung begonnen, indem man Juden massakrierte, im Rheinland und anderswo. Allein in Europa gelangen den Glaubenskriegern Eroberungen von Dauer. So nahmen Kreuzritter auf dem Weg nach Palästina im „Vorbeifahren“ Lissabon und einige andere Städte auf der iberischen Halbinsel. Das 1099 eroberte Jerusalem aber ging kein Jahrhundert später wieder verloren. Byzanz, dessen Bedrängnis Auslöser der Kriegsfahrten in den Orient gewesen war, wurde 1204 zur Beute der christlichen Brüder aus dem Westen.

Als die Ritter während des vierten Kreuzzugs die Mittel für die Schiffspassage nach Ägypten nicht aufbringen konnten, hielten sie sich an Venedig schadlos, indem sie ihrem Carrier die Stadt Zara und einige Orte an der dalmatinischen Küste eroberten. Eine besonders seltsame Frucht der Kreuzzüge und der Reconquista waren die Ritterorden: Amalgame von Mönchskonventen und Kriegergemeinschaften. Ihre Ritter verstanden sich als Erzengel des Papstes und Samariter, denen aufgegeben war, sich um Kranke und Pilger zu kümmern.

Die Kreuzfahrer scheiterten im Krieg gegen die Muslime

Am Ende verfielen auch sie der Welt, wurden reich und bauten eigene Staaten auf: die Johanniter auf Rhodos und die Deutschherren – vereint im Deutschen Orden, ursprünglich einer Stiftung norddeutscher Kaufleute – im Baltikum. Kaiser und Papst statteten sie mit Privilegien aus und räumten ihnen Rechte auf erobertes Heidengebiet ein. Es gelang ihnen tatsächlich, Heidenvölker dem „Kreuz“ zuzuführen. Die Templer, die „armen Krieger Christi“, entwickelten sich mit ihren über ganz Europa verteilten Besitzungen zu einer bedeutenden, im Kriegsgeschäft aktiven Finanzmacht.

Strategisch scheiterten die Kreuzfahrer im Krieg gegen die Muslime an der Unmöglichkeit, das reiche Ägypten auszuschalten. Versuche, Kairo einzunehmen, misslangen. Hier und in Syrien herrschten inzwischen die Mamluken, ursprünglich freigelassene Militärsklaven der Ayyubiden, die ihre bisherigen Herren abgelöst hatten. Mit der Erstürmung Akkons, des Handelszentrums der Levante, durch ein mamlukisches Heer endete 1291 Lateineuropas Aventüre im Nahen Osten. Siebenmal oder, je nach Zählung, öfter war die Abendländer ins Heilige Land gezogen. Quelle: „Der Morgen der Welt“ von Bernd Roeck

Von Hans Klumbies

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