Der geniale Autopionier Gottlieb Daimler

Gottlieb Daimler, der eigentlich gelernter Büchsenmacher war, hatte am Polytechnikum in Stuttgart studiert und anschließend mehrere Jahre in Frankreich und England gearbeitet. Als er 38 Jahre alt war, erhielt er von der Gasmotorenfabrik Deutz das Angebot, den Posten des Technischen Direktors zu übernehmen. Einer der Firmeninhaber ist Nikolaus Otto, der vier Jahre nach Gottlieb Daimlers Einstieg bei Deutz das Viertakt-Prinzip erfindet. Gottlieb Daimler ist von seiner Arbeit fasziniert. Der Sohn eines Schorndorfer Bäckermeisters sieht im Bau von Motoren ein gewaltiges Potential. Er ist davon überzeugt, dass sie in der Zukunft alles antreiben werden – nicht nur die Maschinen der Industrie.

Gottlieb Daimler erkennt das gewaltige Potential des Motorenbaus

Der Autopionier behauptet, Motoren werden schon bald den Transport von Menschen und Waren revolutionieren. Gottlieb Daimler träumt von einer allumfassenden Mobilität, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Trotz seiner führenden Position fühlt sich Gottlieb Daimler bei Deutz nicht wohl, vor allem weil es immer wieder mit Otto zu Streitigkeiten kommt.

Deshalb kündigt er im Jahre 1882 und geht in Cannstatt dem Leben eines wohlhabenden Privatiers nach. Doch sein Geist ist viel zu unruhig, um sich zur Ruhe zu setzen. Im Gartenhaus seiner luxuriösen Villa richtet er sich ein Forschungslabor ein und stellt als Helfer den hochbegabten Konstrukteur Wilhelm Maybach ein.

Ein Auto mit einem PS fährt 18 Kilometer in der Stunde

Die beiden Forscher bilden ein kongeniales Duo. Sie haben nur ein Ziel: kompakte und schnell laufende Motoren zu bauen. Eines der Hürden, die es dabei zu überwinden gilt, ist die Zündung. Gottlieb Daimler und Maybach experimentieren mit einem von außen beheizbaren Glührohr und verbessern gleichzeitig die Regulierung der Drehzahl. Schließlich läuft ein nur 100 Kubikzentimeter großer Versuchsmotor mit für die damalige Zeit sensationellen 600 Umdrehungen pro Minute.

Im August 1885 baut Gottlieb Daimler ein erstes Versuchfahrzeug, ein hölzernes Zweirad mit Motor,  das er per Patent als „Fahrzeug mit Gas- bzw. Petroleum-Kraftmaschine“ schützen lässt. Die ersten drei Versuchskilometer legt das Gefährt von Cannstatt nach Untertürkheim zurück. Als nächstes statten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach eine vierrädrige Kutsche mit dem Motor aus – im Sommer 1886 beginnen die ersten Probefahrten. Der Motor liefert etwas über ein PS an die Hinterräder und beschleunigt das Fahrzeug auf eine Geschwindigkeit von 18 Kilometer pro Stunde.

Gottlieb Daimler gründet die Daimler-Motoren-Gesellschaft

Als nächstes montiert Gottlieb Daimler seinen Motor an einem Boot, das auf dem Neckar fährt. Der Motor, den er nun in Serie baut, erweist sich immer mehr als universal einsetzbar. 1887 treibt er eine Straßenbahn an, die zum Cannstatter Volksfest zu zurück in die Stadt fährt. Der Motor entwickelt sich auch zum Exportschlager: 1889 fährt die erste Straßenbahn mit einem Daimler-Motor in Paris, zwei Jahre später in Palermo. Daneben ist Gottfried Daimler nach wie vor mit der Weiterentwicklung des Automobils beschäftigt.

Zusammen mit Wilhelm Maybach konstruiert er einen Stahlradwagen, den er mit einem Zweizylinder ausrüstet. Das Kühlwasser lässt er in den Stahlrohren des Rahmens zirkulieren. Der Motor leistet 1,5 PS. Zum ersten Mal wird in das Fahrzeug ein richtiges Getriebe mit Zahnrädern eingebaut. 1889 ist der Wagen „Motor Quadricycle“ auf der Weltausstellung in Paris zu sehen. 1890 gründet Gottlieb Daimler gemeinsam mit Investoren die Daimler-Motoren-Gesellschaft, die DMG. Gottfried Daimler glaubte immer an die Motorisierung der Massen, doch erleben durfte er sie nicht mehr. Der Autopionier starb am 6. März 1900, im Alter von 65 Jahren.

Von Hans Klumbies

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