Elinor Ostrom erklärt den Wert der Gemeingüter

Der Regenwald wird abgeholzt, die Atmosphäre vergiftet, die Meere bis zum letzten Fisch ausgebeutet. Güter und Ressourcen, die frei zugänglich und verfügbar sind, werden zu stark genutzt oder vernichtet und stehen der Gesellschaft dann nicht mehr zur Verfügung. Mit moralischen Appellen oder Forderungen nach einem eingreifenden Staat lässt sich dieser Missstand ebenso wenig beseitigen wie durch die potentielle Allzweckwaffe der Privatisierung. Elinor Ostrom erklärt in ihrem Buch „Was mehr wird, wenn wir teilen“, wie es der Menschheit gelingen kann, mit gemeinsam genutzten Ressourcen so umzugehen, dass sie ihre Bedürfnisse langfristig befriedigen kann. Die Wirtschaftsnobelpreisträgerin schlägt vor, die Menschen vor Ort an der Lösung der Probleme stärker einzubinden sowie deren Fähigkeit zur Selbstorganisation wahrzunehmen und zu unterstützen.

Den Menschen muss bei der Kooperation geholfen werden

Ressourcen sind laut Elinor Ostrom frei. Sie kennen kein Eigentum und keine Ländergrenzen. Sie wissen auch nicht, ob die Menschen sie zum Leben brauchen oder nicht. Der Mensch hingegen ist auf die eine oder andere Weise an die Ressourcen gebunden. Das alte Wort für Gemeingüter „Allmende“ hat diese Bindung für die Menschen bewahrt. Elinor Ostrom schreibt: „Alle, die zu einer bestimmten Gemeinschaft gehören und Ressourcen gemeinsam nutzen, müssen sich darüber verständigen, wie sie das tun. Regeln der Ressourcennutzung zu vereinbaren und deren Einhaltung zu kontrollieren, ist alles andere als ein Kinderspiel.“

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Elinor Ostrom hat in den vergangenen vier Jahrzehnten die Welt bereist und unzählige Beispiele dafür gefunden, wie Menschen im Kollektiv Ressourcen miteinander nutzen und sie dabei zugleich erhalten. Elinor Ostrom sagt: „Die Frage ist nicht, ob Menschen kooperieren wollen, sondern wie ihnen geholfen werden kann, das zu tun.“ In ihrem Werk geht es der Wirtschaftsnobelpreisträgerin darum, die Bedingungen für eine gelungene Kooperation herauszufinden, da die Menschen ihrer Meinung nach zu wenig darüber wissen, wie sie ihr gemeinsames Erbe für die Allgemeinheit erhalten können.

Gemeingüter machen Mut

Gemäß Elinor Ostrom brauchen die Menschen Institutionen, die es ihnen leichter machen, vor Ort zu kooperieren, statt im weltweiten Wettbewerb zu verlieren. Sie schreibt: „Sie brauchen Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse und ihre Ideen.“ Ohne die Nutzer selbst, nur mit Staat und Markt allein, gibt es keine Entfaltung der Möglichkeiten der Allmende und auch keine Lösung ihrer Probleme. Der Grundgedanke der modernen Gemeingüter lautet: das Leben in die eigenen Hände nehmen, im Bewusstsein darüber, dass der eigene Vorteil auch auf dem Vorteil der anderen beruht.

Elinor Ostrom schreibt: „Gemeingüter ganz praktisch herzustellen und zu pflegen, kostet viel Kraft, Energie und Kommunikation. Viel Arbeit wird erforderlich sein, um ihnen zum gesellschaftlichen Durchbruch zu verhelfen.“ Gemeingüter machen allerdings auch Mut. Sie zeigen, dass Menschen in ihren verschiedenen sozialen Netzwerken über eine scheinbar unerschöpfliche Quelle an Wissen, Erfahrungen, formellen und informellen Regeln verfügen, an denen alle Menschen teilhaben können, wenn sie ihre Aufmerksamkeit darauf richten.

Was mehr wird, wenn wir teilen
Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter
Elinor Ostrom
Verlag: Oekom
Gebundene Ausgabe: 126 Seiten, Auflage: 2011
ISBN: 9783865812513, 14,95 Euro

Von Hans Klumbies