Das Selbstbild ist entscheidend für ein erfolgreiches Leben

Kinder interessieren sich nicht dafür, wie ein Fluss heißt, sondern sie wollen ein Schiffchen darin absetzen oder einen Damm bauen. Sie sammeln begeistert Steine am Ufer und fühlen, wie kalt das Wasser ist. Sie sind geborene Philosophen, weil sie die großen Fragen „Wo kommen wir her?“ und die überraschenden wie „Haben Flöhe auch Läuse?“ stellen. Das Staunen ist für Kinder ganz zentral, sie sind verwundert über alles Neue und bewundern alles Schöne, wie den Mond und die Sterne am Nachthimmel. Andreas Salcher fügt hinzu: „Spätestens im Kindergarten kommen wir mit Gleichaltrigen zusammen, welche die gleichen Probleme und ähnliche Fähigkeiten wie wir haben. Wir finden heraus, dass wir manche mehr mögen als andere und dass wir nicht mehr allein im Mittelpunkt stehen, sondern uns in eine Gemeinschaft einfügen und Regeln befolgen müssen.“ Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

Der Vergleich beeinflusst das gesamte Leben

Es gibt auf einmal andere Erwachsene als die eigenen Eltern, die auch gut zu einem sind und sich überlegen, was sie einem beibringen können. Manchmal fühlen sich Kinder aber auch von den Erwachsenen ungerecht behandelt und unverstanden. Fast unbemerkt schleicht sich ein Phänomen ein, welches das gesamte Leben weit stärker beeinflussen wird, als man sich vorstellen kann: der Vergleich. Kinder beginnen sich mit anderen zu vergleichen. Dabei wurden Kinder schon sehr früh von ihren Eltern verglichen, ohne dass die Kleinen es gemerkt haben.

Das Vergleichen mit anderen und die Bewertung durch andere beeinflussen das Bild, das ein Kind von sich selbst entwickelt. Andreas Salcher erklärt: „Die US-Wissenschaftlerin Carol Dweck entdeckte in ihrer Forschung, dass man schon bei Kindern solche mit einem dynamischen Selbstbild (Growth Mindset) von jenem mit einem fixierten Selbstbild (Fixed Mindset) unterscheiden kann. Für Dweck ist dieses Selbstbild wesentlich für den Lebenserfolg von Menschen.“

Ein dynamisches Selbstbild hat große Vorteile

Im Zentrum steht dabei die Frage, ob ein Mensch daran glaubt, dass menschliche Eigenschaften in Stein gemeißelt oder veränderbar sind. Vor allem Lehrer und Eltern, die selbst mit einem fixierten Selbstbild durch das Leben gehen, tendieren dazu, dieses auch auf ihre Schüler beziehungsweise Kinder zu übertragen. Unabhängig davon, ob sie ein Kind als besonders intelligent und talentiert ansehen oder vom Gegenteil überzeugt sind, nehmen sie ihm damit die Motivation, sich über die vorgegebenen Grenzen hinaus zu entwickeln.

Andreas Salcher erläutert: „Das als intelligent eingeschätzte Kind wird seine Leistungen als selbstverständlich annehmen, das schwächere Kind hingegen dazu tendieren, seine Schwächen zu verbergen, statt daran zu arbeiten, sie zu überwinden.“ Menschen mit einem dynamischen Selbstbild sind generell realistischer bezüglich ihrer Fähigkeiten. Offenbar sehen sie ihre momentanen Fähigkeiten klarer, selbst wenn diese noch wenig ausgebildet sind, sobald sie grundsätzlich davon überzeug sind, sich weiterentwickeln zu können. Quelle: „Das ganze Leben in einem Tag“ von Andreas Salcher

Von Hans Klumbies

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