Maßlosigkeit und Verschwendung führen ins Unglück

In der westlichen Welt des Überflusses drohen den Menschen die Dinge, die sie nachhaltig glücklich machen könnten, durch die Finger zu gleiten oder irgendwo im Wohlstandsmeer, das sie umgibt, zu versinken. Sonia Laszlo behauptet: „In vieler Hinsicht ist der Mensch für die heutige Zeit eine unglücklich machende Fehlkonstruktion. Unsere limitierte Aufnahmekapazität steht einer Welt der Datenexplosion ausgeliefert gegenüber.“ Vieles entgeht der Wahrnehmung, weil die Aufmerksamkeit eines Menschen sehr beschränkt ist. Was verarbeitet wird und wie und was von einem Individuum dazu verdammt wird, nicht beachtet zu werden, hängt laut Sonia Laszlo auch mit dem Glücksgefühl und dem zur Verfügung stehenden Dopamin zusammen. Die Aufmerksamkeit ist eines der höchsten Güter des Menschen, wenn nicht sein höchstes Gut. Die Kommunikationswissenschaftlerin und Schauspielerin Sonia Laszlo befasst sich mit dem „Glücklichsein“ und Film in Europa sowie in den USA. Die Journalistin ist in Medien und am Institut für Europäische Glücksforschung tätig, Gastvortragende an Universitäten und schreibt an ihrer Dissertation.

 Die Marktwirtschaft hat das Glück als Erwerbsquelle entdeckt

Maßlosigkeit ist laut Sonia Laszlo nicht ohne Grund eine Todsünde. Der Mensch ist nicht für den Überfluss gemacht. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Maßlosigkeit und die damit in Verbindung stehende Verschwendung uns unglücklich machen. Rut Veenhoven von der Erasmus Universität in Rotterdam schreibt: „Verschwender und Verschleuderer sind weniger glücklich als maßvoll gemäßigte, bescheidene Konsumenten.“ Die alte Regel „weniger ist mehr“ scheint noch immer zu gelten.

Sonia Laszlo vertritt die Ansicht, dass anstatt einem gemäßigtem Konsum, einem bescheidenem Leben und dem, was man besitzt, glücklich zu sein, die Menschen zu einem Streben nach mehr oder sogar nach so viel wie möglich von allen Seiten animiert werden. Für Sonia Laszlo war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Kultur der Maßlosigkeit auch am Glück zu schaffen machen würde. Die Marktwirtschaft hat inzwischen auch das Glück als Erwerbsquelle entdeckt.

Übersättigung und Überreizung verstellt den Blick auf mache Glücksquellen

Dem homo oeconomicus die Interpretation des Glücks zu überlassen ist ein grober Denkfehler, denn er wird das Glück zuerst quantifizieren und dann maximieren. Laut Sonia Laszlo sind die Menschen sowie so schon Analphabeten des Glücks und dennoch versuchen sie es zu maximieren. Maximierung allerdings macht nicht glücklich, sondern zieht eher das Unglück nach sich. Die Übersättigung und Überreizung in der westlichen Welt verstellen den Menschen den Blick auf so manche Glücksquelle.

Je mehr die Menschen besitzen, desto schwerer fällt es ihnen, sich zu begnügen und einzuschränken. Da die Menschen nicht alles haben können, und schon gar nicht alles auf einmal, bedeutet Überfluss auch sich entscheiden zu müssen. Sonia Laszlo schreibt: „Entscheidungen, auch wenn sie uns das Gefühl der Freiheit geben, machen nicht unbedingt glücklich, sondern stellen oft einen Stressfaktor dar und wie wir bereits wissen, hängt Stress mit (Un-) Glück zusammen.“

Von Hans Klumbies

 

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