Richard Wilhelm stellt die Philosophie Chinas vor

Die vorliegende Schrift des Sinologen Richard Wilhelm führt den Leser knapp und allgemeinverständlich in die Chinesische Philosophie ein. In sieben Kapiteln handelt er die Entwicklungslinien und Grundpfeiler der einzelnen fernöstlichen Lehren ab – angefangen im 6. vorchristlichen Jahrhundert über den Taoismus, den Konfuzianismus, den Buddhismus bis hin zur chinesischen Philosophie des 18. Jahrhunderts. Richard Wilhelm schreibt zu Beginn seines Buchs über die Entstehung des philosophischen Denkens in China, wobei er die Schule der Schriftgelehrten und die der Propheten vorstellt. Richard Wilhelm, der 1873 in Stuttgart geboren wurde und 1930 in Tübingen starb, war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Sinologen. Zudem war er als Theologe und Missionar tätig.

Zu den Klassikern der chinesischen Philosophie zählen Laotse und Kungtse

Das zweite Kapitel widmet Richard Wilhelm den großen Denkern der klassischen Zeit. Dazu zählt er Laotse, Kungtse und Mo Di. In der Theorie des Laotse, die vom mystischen Erleben ausgeht, erkennt Richard Wilhelm eine vernichtende Kritik an aller Kultur und Zivilisation. Über Kungtse, den die Jesuiten in Konfuzius latinisiert haben, schreibt Richard Wilhelm folgendes: „Was ihn für alle Zeiten liebenswert macht, ist seine ruhige Besonnenheit, seine starke Unverzagtheit und vor allem seine tiefinnerliche Güte, die alles verklärt, was von ihm ausgeht.“

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Im folgenden Abschnitt beschäftigt sich Richard Wilhelm mit der Weiterentwicklung der philosophischen Schulen in China. Dabei geht er auf die Taoisten, die Konfuzianer, die Rechtslehrer, die Neomohisten und Dialektiker sowie auf die neuen Wissenschaften ein. Es folgt ein Kapitel über die Philosophie der Han-Zeit. Zu den bedeutendsten Denkern jener Epoche zählte laut Richard Wilhelm Dung Dschung Schu, der von 170 bis 90 vor Christus lebte.

Der große Einfluss des Buddhismus auf das philosophische Denken in China

Richard Wilhelm ist davon überzeugt, dass man den Einfluss des Buddhismus auf das philosophische Denken Chinas während des ersten nachchristlichen Jahrtausends gar nicht hoch genug einschätzen kann. Er schreibt: „Immer mehr wandten sich im Lauf der Jahrhunderte die bedeutenden Geister dem Buddhismus und seinen Problemen zu, und es gab Zeiten, da dem Konfuzianismus nur noch Denker zweiten Ranges ergeben waren.“ Nachdem der Buddhismus wieder aus seiner zentralen Stellung in der chinesischen Philosophie an die Peripherie gerückt war, folgte ihm der Neokonfuzianismus der Sung-Zeit nach.

Im Schlusskapitel seines Buchs „Chinesische Philosophie. Eine Einführung“ geht Richard Wilhelm auf die philosophischen Entwicklungen der neueren Zeit ein. Der Autor berichtet beispielsweise davon wie als Reaktion auf einen rigorosen Rationalismus in der Mandschu-Zeit eine neue wissenschaftliche Richtung auftrat, die in Gu Ting Ling ihren bedeutendsten Vorkämpfer hatte. Die jüngste Gegenwart der chinesischen Philosophie war laut Richard Wilhelm allerdings durch eine heftige Krise aus den Fugen geraten. Er schreibt: „Die Textkritik der letzten Jahrhunderte und die eindringenden westlichen Ideen haben die Stabilität des chinesischen Weltbildes, das jahrtausendelang der gemeinsame Mutterboden allen Philosophierens war, erschüttert.“

Chinesische Philosophie

Eine Einführung

Richard Wilhelm

Verlag: Marixverlag

Gebundene Ausgabe: 137 Seiten, Auflage 2: 2012

ISBN: 978-3-86539-141-4, 7,95 Euro

Von Hans Klumbies