Für den Sinn des Lebens gibt es keine Garantie

Das menschliche Streben nach Veränderung und Verbesserung, die Suche, ist nicht als Makel und Beweis für die Unvollkommenheit des Menschen zu verstehen, sondern als kreative und schöpferische Fähigkeit, mit Unsicherheit und Wandel umzugehen. Dabei handelt es sich um eine unerlässliche Kompetenz in jedem lebendigen Zusammenhang. Ina Schmidt erläutert: „Gerade in einer globalen, mobilen und gut vernetzten Welt, die ebenfalls den Gesetzen sozialer und organischer Zusammenhänge gehorcht, brauchen wir mehr denn je kompetente Suchende.“ Diese Überzeugung gilt auch dann, wenn man erst einmal nichts zu verstehen glaubt und sich auf folgende Einsicht des Denkers Georg Christoph Lichtenberg beschränken muss: „Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ Ina Schmidt gründete 2005 die „denkraeume“, eine Initiative, in der sie in Vorträgen, Workshops und Seminaren philosophische Themen und Begriffe für die heutige Lebenswelt verständlich macht.

Jeder sollte sich den größeren Fragen des Lebens stellen

Schaut man im Wörterbuch nach, dann bedeutet eine Suche den Prozess der Lokalisierung eines gewünschten Objekts. Das klingt zunächst einmal pragmatisch und recht machbar. Es gibt Orte und Methoden, die erfolgversprechend sind und dabei helfen. Aber nun geht die Suche weiter und man nähert sich mit einem ähnlichen Anspruch den größeren Fragen des Lebens. Wo findet man die große Liebe oder gar den Sinn des Lebens? Hier gibt es weder klar definierte Orte noch Methoden, die einem Menschen am Ende garantieren, etwas finden zu können.

Worin liegt der Unterschied der Suche nach einer Lesebrille und der Suche nach dem Sinn des Lebens? Ina Schmidt antwortet: „In beiden Fällen versuchen wir einem Mangel nachzugehen, etwas zu finden, was uns fehlt – was ist darin tatsächlich ein „gewünschtes Objekt“ und was nicht?“ Im ersten Fall können man klar das Objekt der Suche formulieren, denn man weiß, wie eine Lesebrille aussieht, man erkennt sie wieder und ist sich sicher, dass sich im Laufe des Verschwundenseins nicht verändert hat.

Die wenigsten Menschen erkennen einen Sinn im Leben

Im zweiten Fall ist es weniger eindeutig und deutlich schwieriger zu einem Ergebnis zu kommen – weil das Objekt der Suche sich schlicht weigert, eines zu sein. Ina Schmidt erklärt: „Wir können zwar berechtigterweise die Tatsache feststellen, dass unser Leben sinnlos ist oder wir das so empfinden, das heißt aber noch lange nicht, dass wir wissen, was uns mit Sinn erfüllen würde und wie wir das anstellen sollten beziehungsweise, um noch eine Schwierigkeit einzubauen, dass wir sichergehen könnten, den Sinn zu erkennen, selbst wenn er direkt vor uns auf dem Tisch läge.“

Menschen können eine Menge tun, wenn sie ihr Leben sinnvoller gestalten wollen – und es mangelt ganz sicher nicht an Angeboten. Man kann ausprobieren, was auch immer die Palette der Angebote hergibt, darin stecken jede Menge spannender Erfahrungen und neue Impulse. Die eigentliche Frage ist allerdings, ob diese Form des Ausprobierens bereits eine Suche ist oder hin und wieder nicht gerade ihr Gegenteil: Sind ein Italienischkurs oder das Überlebenstraining wirklich der Weg zu einem sinnvolleren Leben oder nur eine willkommene Ablenkung vom Gefühl des Mangels? Quelle: „Das Ziel ist im Weg“ von Ina Schmidt

Von Hans Klumbies

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