Der Minimalismus steigert die Zufriedenheit

Funktionstüchtige Dinge wegzuwerfen, ist eine Verschwendung. Fumio Sasaki widerstrebt es, Dinge einfach in den Müll zu schmeißen, und er versucht, sein Zeug so loszuwerden, dass jemand anderes noch etwas davon hat. Fumio Sasaki erläutert: „Die wahre Verschwendung aber liegt in dem seelischen Schaden, den man nimmt, wenn man sich an nutzlose Dinge klammert.“ Ständig fühlt man sich schuldig – beim Betrachten unnützer Geschenke oder überflüssiger Einkäufe. Sich von Dingen zu trennen, heißt allerdings nicht, seine Erinnerungen wegzuwerfen. Manchmal sorgt genau dieser Akt des Verabschiedens dafür, dass sich bestimmte Erinnerungen für die Ewigkeit einbrennen. Der amerikanische Dichter Allen Ginsberg sagte einmal, einem Teppich doppelt so viel Aufmerksamkeit zu schenken, sei gleichbedeutend damit, zwei Teppiche zu besitzen. Fumio Sasaki arbeitete als Cheflektor des japanischen Verlages Wani Books, bevor er freier Autor wurde.

Ein Mensch braucht nicht viele Klamotten

Die Anzahl der Dinge im Besitz eines Menschen hat keinerlei Einfluss auf die Zufriedenheit, die er daraus bezieht. Das heißt, etwas zu besitzen, bedeute zu wissen, dass man es besitzt und sich dieses Besitzes sehr bewusst zu sein. So funktioniert das menschliche Gehirn. Da findet es Fumio Sasaki doch besser, sich einer kleinen Menge geliebter Dinge voll und ganz bewusst zu sein, als sich eines chaotischen Riesenhaufens an Sachen nur vage bewusst zu sein. Minimalismus hilft, die Zufriedenheit, die man aus seinen Sachen schöpft, zu verdoppeln oder zu verdreifachen.

Die Zahl der Habseligkeiten zu verringern, heißt also nicht, die Freude am Besitz zu schmälern. Zum Beispiel braucht ein Mensch nicht viele Klamotten, um stets sauber und bequem angezogen zu sein. Auch wenn alle anderen den aktuellen Moden hinterherzuhecheln scheinen, zeugt es von einem gewissen Stil, immer das gleiche zu tragen, eine ganz eigene Uniform, die perfekt zur Persönlichkeit passt. Fumio Sasaki findet zwar auch, dass Mode Spaß macht, man darf es nur nicht übertreiben.

Seine Erfahrungen machen jeden Menschen einzigartig

Alle Minimalisten, die Fumio Sasaki kennt, sind unverwechselbare, ziemlich coole Individuen, auch wenn sie sich oft geradezu langweilig kleiden. Fumio Sasaki stellt fest: „Viele Menschen fürchten offenbar, sie würden ihre Individualität verlieren, wenn sie sich von ihrem Besitz trennen. Dabei trifft genau das Gegenteil zu.“ Eines sollte man nie vergessen: es sind die Erfahrungen, die einen Menschen einzigartig machen. Es gilt die persönliche Einzigartigkeit wieder zu entdecken, die unter all dem Krempel begraben liegt, der einen Menschen ablenkt.

Jeden Tag gehen einem Menschen etwa 60.000 Gedanken durch den Kopf. Fumio Sasaki versuchte einmal, den Verlaufseiner Gedanken zu verfolgen, und stellte dabei fest, dass sie wirklich in alle möglichen Richtungen flitzten. Das menschliche Bewusstsein besteht aus einer endlosen Gedankenkette. Ein einzelner Gedanke von 60.000 fällt da gar nicht weiter auf. Auch wenn man noch gar nicht beschlossen hat, einen bestimmten Gegenstand wegzuwerfen, hat man es beim Betrachten des Gegenstands vielleicht schon erwogen. Sobald das fünf Mal passiert ist, sollte man bereit sein, sich von diesem Ding zu trennen. Quelle: „Das kann doch weg!“ von Fumio Sasaki

Von Hans Klumbies

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