Weniger Besitz erleichtert das Leben

Als Minimalist ist sich Fumio Sasaki jedes einzelnen Gegenstands bewusst, den er besitzt. Und da jedes Ding seinen Platz hat, sucht er nie nach verloren gegangenen Dingen. Ist man sich all seines Besitzes bewusst, weiß man nicht nur, wo sich die Dinge befinden, sondern auch, ob man sie überhaupt besitzt. Fumio Sasaki fügt hinzu: „Gebrauchsanleitungen, Garantiekarten, Unterlagen scanne ich sofort – oder werfe sie unbesehen weg. Ich muss also nie Papierstapel durchsuchen.“ Wer weniger hat, verliert auch weniger. Und da man als Minimalist mit weniger Sachen aus dem Haus geht, vergisst man auch seltener etwas. Man muss also seltener wieder zurücklaufen und einen liegengelassenen Gegenstand holen. Fumio Sasaki
arbeitete als Cheflektor des japanischen Verlages Wani Books, bevor er freier Autor wurde.

Erlebnisse machen glücklich

Oft beobachtet Fumio Sasaki, wie Menschen laufen, um den Zug noch zu erwischen, und dabei andere Reisende fast über den Haufen rennen. Jedem ist bestimmt schon einmal aufgefallen, dass gehetzte Menschen nie glücklich wirken. Kein gehetzter Mensch strahlt vor Freude. Die Urlauber, die er während Japans Goldener Woche sieht, scheinen deutlich glücklicher. Der Psychologe Tim Kasser fand heraus, dass Erlebnisse glücklich machen, nicht materielle Dinge.

Die meisten Menschen kennen beruflich erfolgreiche, wohlhabende Leute, die aber immer unter Strom stehen und von einer Lebenskrise in die nächste stürzen. Selbst freundliche Menschen werden unter Stress oft unangenehm, weil es ihnen einfach am Luxus freier Zeit mangelt. Er aktuellen neurowissenschaftlichen Forschung zufolge springen bestimmte Bereiche des menschlichen Gehirns nur an, während man Tagträumen nachhängt oder seine Gedanken schweifen lässt. Diese Augenblicke dienen der Besinnung, der Orientierung, dem Erinnern – mit anderen Worten: Man denkt über sich selbst nach.

Ohne Entspannung gibt es kein Glück

Ein Augenblick der Entspannung ist also keine Zeitverschwendung, sondern ein wichtiger Moment geistiger Einkehr. Vielleicht sitzt man am Strand und lauscht den Wellen oder blickt in ein Lagerfeuer. Fumio Sasaki erläutert: „Die Wissenschaft hat gezeigt, dass wir besinnliche Augenblicke dieser Art brauchen. Egal ob wie arm oder reich sind – unser Tag hat 24 Stunden. Sich Zeit zur Entspannung zu nehmen, ist der ultimative Luxus.“ Ohne Entspannung gibt es kein Glück.

Dafür muss man nicht notwendigerweise Urlaub in einem Tropenmagazin machen und unter einem Sonnenschirm am Strand liegen. Denn tatsächlich besteht nicht viel Unterschied zwischen dem alltäglichen Glück, das jederzeit in Griffweite liegt, und dem Glück am Tropenstrand. Fumio Sasaki rät: „Schalten Sie einfach im Café um die Ecke ab. Hören sie auf, wie wild in die Tastatur einzuhacken, und nehmen Sie sich Zeit für einen tiefen Atemzug. Das Glück umgibt uns, wir müssen uns nur die Zeit nehmen, es zu finden. Holen Sie sich die Zeit zurück, die Ihre Dinge Ihnen rauben, indem sie radikal ausmisten. Ihre Zeit ist kostbar.“ Quelle: „Das kann doch weg!“ von Fumio Sasaki

Von Hans Klumbies

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