Das Bewusstsein von der eigenen Würde schützt vor Verführbarkeit

Der Neurobiologe Gerald Hüther zeigt in seinem neuen Buch, dass Würde nicht allein ein ethisch-philosophisch begründetes Menschenrecht ist. Würde ist seiner Meinung nach auch ein biologisch verankerter innerer Kompass, der die Menschen in die Lage versetzt, sich trotz vielfältiger und Anforderungen und Zwängen in einer hochkomplexen Welt zurechtzufinden und sich nicht zu verlieren. Deshalb ist es für Gerald Hüther so wichtig, dass jeder Einzelne lernt, die Wahrnehmung der eigenen Würde zu stärken. Denn es ist klar: Wer sich seiner Würde bewusst wird, ist nicht mehr verführbar. Zudem erklärt der Autor in seinem neuen Buch „Würde“ unter anderem was es bedeutet, wenn einem die Würde genommen wird, weil man in der digitalen Welt nur noch als Datensatz zählt oder im Netz geschmäht oder gemobbt wird. Gerald Hüther zählt zu den bekanntesten Hirnforschern in Deutschland.

Viele Menschen verlieren gerade ihre Würde

Gerald Hüther geht es in seinem Buch „Würde“ vor allem um ein tiefes Verständnis des Umstandes, dass die Menschen, jede und jeder Einzelne von ihnen, ohne sich dessen bewusst zu sein, dabei sind, genau das zu verlieren, was sie ausmacht: ihre Würde. Das Ziel des Autors ist es, dass der Leser das Gefühl und das Bewusstsein für seine eigene Würde beim Lesen seines Buches wiederentdeckt. Die Menschen entwickeln manche Vorstellungen auch, weil sie ihnen helfen, sie selbst zu bleiben und sich nicht in der Vielfalt äußerer Anforderungen und Notwendigkeiten zu verlieren. Um diese Vorstellungen geht es auch in diesem Buch.

Damit eine Person den Mut aufbringt und die notwendigen Kräfte mobilisieren kann, um von außen einwirkenden Verführungen, Angeboten oder scheinbaren Notwendigkeiten widerstehen zu können, benötigt er einen inneren Kompass, den Gerald Hüther in seinem Buch vorstellt. Aus neurobiologischer Sicht handelt es sich dabei um ein inneres Bild, also um ein in dieser Situation aktiv werdendes neuronales Verschaltungsmuster, das sehr eng an die Vorstellungen der eigenen Identität gekoppelt ist.

Jeder kann sein Leben von jedem Zeitpunkt an anders leben

In seinem Buch macht Gerald Hüther auch den Versuch, dass, was man als die Würde des Menschen bezeichnet, aus naturwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten. Hierfür nutzt er die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung, der Entwicklungspsychologie und der Komplexitätswissenschaften. Gerade Hüther erläutert: „Die Kernthese dieses Buches lautet: Wer sich seiner eigenen Würde bewusst wird, ist nicht mehr verführbar.“ Denn eines gilt: jeder Mensch kann sich zu jedem Zeitpunkt seines Lebens dazu entscheiden, fortan anders zu leben als bisher.

Jeder kann beispielsweise vielleicht etwas bewusster leben, etwas achtsamer gegenüber sich selbst und auch anderen gegenüber. Gerald Hüther ergänzt: „Mehr in Einklang mit sich und der Natur, zuversichtlicher und auch wieder etwas neugieriger. Es ist den Versuch wert. Und es ist ganz einfach.“ Gerald Hüther glaubt, dass es viel mehr Menschen gibt als man glaubt, die sich ihrer Würde bewusst sind – auch wenn sie ziemlich tapfer versuchen, das vor sich selbst zu verbergen. Und er hofft, dass seine Leser ihr eigenes Leben und ihr Zusammenleben mit anderen Menschen künftig etwas stärker an ihrem inneren Kompass ausrichten, der die Wahrnehmung der eigenen Würde stärkt.

Würde
Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft
Gerald Hüther
Verlag: Knaus
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten, Auflage: 2018
ISBN: 978-3-8135-0783-6, 20,00 Euro

Von Hans Klumbies

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