Der Arche Literatur Kalender 2018 pendelt zwischen Ruhe und Bewegung

Der Klassiker unter den Literaturkalender, der Arche Literatur Kalender, hat für das Jahr 2018 „Ruhe & Bewegung zum Thema erwählt. Das Titelbild zeigt den jungen Vladimir Nabokov mit seiner Braut beim Tennisspielen, Anfang 1920 in Berlin. 53 Autorinnen und Autoren erzählen was ihnen Ruhe und Bewegung bedeutet. Dabei kann es sich um Sehnsucht, Frust oder Freude handeln. Der Dichter, Publizist und geniale Filmemacher Pier Paolo Pasolini zum Beispiel liebte seit frühester Kindheit das Fußballspiel: „Die Nachmittage, die ich beim Fußballspielen auf den Wiesen von Caprara verbrachte (ich spielte damals auch sechs, sieben Stunden lang, ununterbrochen, rechts außen …), sind unzweifelhaft die schönsten meines Lebens gewesen.“ Für die berühmte französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir dagegen war die Ruhe beim Lesen von existenzieller Bedeutung: „Ich ziehe die Vorhänge in meinem Zimmer zu, strecke mich auf dem Divan aus, ich vergesse mich selbst: es gibt nur noch die schwarz-weiße Seite, die mein Blick durchfliegt ….“

Der Garten war für Hermann Hesse eine Quelle der Inspiration

An welche Orte es den amerikanischen Schriftsteller Henry Miller auch immer verschlug, ob nach Brooklyn, Clichy oder Pacific Palisades: Radfahren war sein Lebenselixier: „Wenn ich radfuhr, wurde ich erquickt, belehrt und gesalbt.“ Zu den Ruhelosen zählte auch der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, der rastlos in den Straßen Lissabons unterwegs war: „Und bei alledem gehe ich durch die Straßen, schläfrig, ein vagabundierendes Blatt. Ein langsamer Wind hat mich vom Boden gefegt, und ich irre wie das Ende einer Dämmerung zwischen dem Geschehen in der Landschaft umher.“

Für den Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse war der Garten eine Oase der Ruhe, Stunden die er im Garten verbrachte, waren für ihn einen Quelle der Inspiration, wie es seine Gedichte, Betrachtungen und Briefe immer wieder verdeutlichen: „Ich teile meinen Tag zwischen Studio und Gartenarbeit, letztere gilt der Meditation und geistigen Verdauung und wird darum meist einsam betrieben.“ Eher eine Vertreterin der ruhigeren Art war auch die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger: „Immer durch dieselben Straßen gehen und warten, bis man etwas entdeckt. Ich bin nicht für Abwechslung. Ich reise nicht gerne.“

Bewegung wird bei Vladimir Nabokov zum literarischen Genuss

Conrad Ferdinands Meyers berühmtes Gedicht „Der römische Brunnen“ über die Fontana die Cavalli Marini in der Villa Borghese darf in einem Literaturkalender mit dem Thema „Ruhe und Bewegung“ nicht fehlen: „Auf steigt der Strahl, und fallend gießt er voll die Marmorschale Rund, die sich verschleiernd, überfließt in einer zweiten Schale Grund; die zweite gibt, sie wird zu reich, der dritten wallend ihre Flut, und jede nimmt und gibt zugleich und strömt und ruht.“ Hier handelt es sich um die siebte Überarbeitung, die der Schweizer Dichter im Jahr 1882 veröffentlichte.

Vladimir Nabokov hat verschiedene Sportarten sehr gut beherrscht und genial beschrieben wie zum Beispiel einen Tennisspieler in der Erzählung „Das Gewitter“: „Er lief dem Ball federnd entgegen, und das weite Ausholen bereitete ihm physischen Genuss: Jede Bewegung strebt zum vollkommenen Kreis, und obwohl sie sich auf halbem Weg in den Geradeausflug des Balls verwandelt, spürt man diese unsichtbare Fortsetzung doch augenblicklich im ganzen Arm, sie läuft über die Muskeln bis zur Schulter – und genau in diesem langen, inneren Funken liegt der eigentliche Genuss des Schlages.“

Arche Literatur Kalender 2018
Ruhe & Bewegung
60 Bilder / 54 Fotos / farbig
ISBN 978-3-0347-6018-8, 22,00 Euro

Von Hans Klumbies

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