Der Terrorismus kann in einzelnen Fällen gerechtfertigt sein

Julian Baggini stellt sich die Frage, ob es auf irgendeine Weise eine Rechtfertigung für den Terrorismus geben kann. Jegliche Verteidigung des Terrorismus provoziert sofort einen Sturm der Entrüstung. Denn etwas als Terrorismus zu bezeichnen, bedeutet faktisch, dass man es bereits verurteilt hat. Jemanden als Terroristen zu verdammen, ist eine schnelle und einfache Methode, den Angesprochenen in Verruf zu bringen. Der Philosoph Julian Baggini ist 1968 in Dover, Kent geboren. Er ist Mitbegründer und Herausgeber des „Philosopher´s Magazine“. Er schreibt regelmäßig für große Zeitungen und hat mehrere Bücher veröffentlicht. Eines seiner Bücher trägt den Titel „Der Sinn des Lebens“ und ist 2005 im Piper Verlag erschienen. Sein neuestes Werk trägt den Titel „Ethik“ und ist im Verlag Springer Spektrum veröffentlicht worden.

Julian Baggini stellt seine Definition für den Terrorismus vor

Wenn man darüber nachdenkt, warum der Terrorismus falsch ist, sollte man laut Julian Baggini nicht reflexhaft voraussetzen, dass er es natürlicherweise ist. Man braucht immer Argumente, wenn man etwas kritisieren möchte. Julian Baggini erläutert: „Zu behaupten, Terrorismus können bisweilen gerechtfertigt sein, mag empörende klingen. Doch behaupten zu wollen, Terrorismus sei, wie auch andere Gewalthandlungen, niemals und keinesfalls zulässig, bedarf sehr guter Argumente.“ Allgemeine Aussagen über den Wert des Lebens reichen seiner Meinung dabei nicht aus, denn sie differenzieren nicht zwischen den verschiedenen Arten von Gewalt.

Wie unterscheidet sich nun eigentlich die terroristische Gewalt von anderen Gewaltakten? Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da der Terrorismus schon selbst kein klarer Begriff ist. Julian Baggini definiert den Terrorismus wie folgt: „Terrorismus ist die Anwendung von Gewalt gegen Nichtkombattanten als wichtigste Waffe im Versuch, politische Umwälzungen herbeizuführen.“ Diese Definition umfasst für Julian Baggini Terroraktionen, die von Staaten ausgeführt werden, nichtstaatlichen Gruppierungen und Einzelpersonen – zudem umfasst sie Einschüchterungsangriffe gegen da Privateigentum ebenso wie tödliche Angriffe auf Personen.

Den Einsatz von tödlicher Gewalt finden die meisten Menschen abstoßend

Was die meisten Menschen als besonders abstoßend empfinden, ist der Einsatz von tödlicher Gewalt. Wenn Julian Baggini den Begriff Terrorismus verwendet, meint er damit immer dessen tödliche Variante. Für ihn ist es äußerst hilfreich, die Argumente für den Terrorismus zu verstehen, und sei es nur, um mit den besten Gegenargumenten Paroli bieten zu können. Julian Baggini fügt hinzu: „Im Hinblick auf die Lockerheit, mit der dieser Begriff heute gebraucht wird, kann man sicherlich sagen, dass einige Handlungen, die als Terrorakte bezeichnet werden, gerechtfertigt waren.“

Als Beispiel nennt Julian Baggini die terroristischen Anschläge des African National Congress (ANC) gegen das Apartheidregime in Südafrika. Sollte jemand irgendeinen Terrorakt für gerechtfertigt finden, nur weil die Konsequenzen absehbar sind und er an sich das menschliche Wohlergehen verbessert, dann, ja dann, werden etliche Terrorakte diese Nagelprobe bestehen – oder haben sie bereits bestanden. Allerdings rechtfertigen auch die besten Gegenargumente nicht die Wirksamkeit terroristischer Anschläge, noch bestreiten sie sie.

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.