Im Werk von Erich Loest können sich die Deutschen erkennen

Der Schriftsteller Erich Loest wurde am 24. Februar 1926 in Mittweida im Freistaat Sachsen geboren. Er war immer ein lebendes Beispiel dafür, wie man aus Fehlern lernt und Einsichten in Haltung umsetzt. Er hat das, was er erfuhr und ihm widerfuhr, mehr als 50 Jahre in Literatur verwandelt. Dabei betätigte er sich niemals als Moralprediger. Bei allem Ernst verfügte Erich Loest über viel Humor. Sein erstes Buch „Jungen, die übrig blieben“, wurde im Jahr 1950 veröffentlicht. Es geht in dem Werk um den Versuch der Nationalsozialisten durch den Kriegseinsatz ganz junger Knaben dem Führer Adolf Hitler die Kriegsniederlage zu ersparen. Erich Loest selbst war 18 Jahre alt, als er in den Krieg geschickt wurde. Damals war er bereit als Held für das Vaterland zu sterben, da sein Gehirn von klein auf mit Parolen vollgestopft worden ist. Den Krieg hat er überlebt, doch irgendwann endet jedes Leben. Erich Loest ist am 12. September in Leipzig gestorben.

Erich Loest wurde zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus in Bautzen verurteilt

Im Krieg begriff Erich Loest den grausamen Unterschied zwischen Parolen und Wirklichkeit. Aus russischer Kriegsgefangenschaft kehrte er in die sowjetische Besatzungszone heim, aus der sich bald darauf die DDR entwickelte. Für einige Jahre hatten die dort regierenden Herrscher in Erich Loest eine willigen Genossen, der dabei mithelfen wollte, das zerstörte Land in eine blühende Landschaft zu verwandeln. Dieser Zustand dauerte allerdings nicht lange an, da Erich Loest genau registrierte, was um ihn herum geschah.

Dazu zählen der Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953, drei Jahre später der Juni-Aufstand in Polen, der Ungarn-Aufstand vom Oktober / November 1956, den das sowjetische Militär niederschlug. Erich Loest und seine Mitstreiter wünschten sich einen anderen Sozialismus. Die Kritik am Regime der DDR brachte ihm siebeneinhalb Jahre Zuchthaus in Bautzen ein. Ein halbes Jahr wurde ihm auf Bewährung erlassen. Im Jahr 1964 kam er wieder frei. Erst im April 1990 wurde das Urteil von 1957 aufgehoben.

Der leidende Mensch im unbarmherzigen System ist das Lebensthema von Erich Loest

Im Jahr 1979 wird sein Buch „Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene“ veröffentlich. Erich Loest erzählt darin von einem Leipziger, der in seiner Jugend ein Fan der Beatles war und im Verlauf einer staatlichen Attacke gegen die Anhänger der westlichen Musik von einem Polizeihund gebissen wird. Dadurch wird der Hauptdarsteller zum Feind jeglicher Macht und verzichtet auf eine staatsnahe Karriere. Der Roman erschien gleichzeitig in der DDR und in Westdeutschland. In seinem Buch „Der Zorn des Schafes“ beschreibt Erich Loest, welche Anstrengungen die DDR unternimmt, um ihn in den Westen abzuschieben.

Am 20. März 1981 fährt Erich Loest mit dem Zug in den Westen. Neun Jahre lebte er in Bad Godesberg. Zu seinen besten Romanen zählt „Swallow, mein wackerer Mustang“. In dem Werk geht es um die Tragödie eines Menschen, der sich den Fesseln gnadenloser Bedingungen entziehen möchte, dafür aber zu schwach ist, und deshalb einen Fehler nach dem anderen begeht. In diesem Roman ist das Lebensthema von Erich Loest sehr deutlich zu erkennen: Es ist die Geschichte vom leidenden Menschen und vom unbarmherzigen System. Ab 1990 lebte der Schriftsteller in Leipzig. Weitere bekannte Werke von Erich Loest sind: „Nikolaikirche“ und „Einmal Exil und zurück“.

Von Hans Klumbies

 

 

 

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