Die Moraltheorie des Bernhard Gert

Bernhard Gert geht von einem als gemeinsame Moral bezeichneten Moralsystem aus, dass die Menschen oft unbewusst anwenden, wenn sie moralische Entscheidungen treffen oder Urteile fällen, die die Moral betreffen. Bernhard Gert sieht keinen zwingenden Grund, dieses Moralsystem durch ein besseres zu ersetzen oder ein oberstes Moralprinzip einzusetzen. Zu den wichtigsten Eigenschaften der Moral zählt Bernhard Gert folgende: „Die Moral regelt nur das Verhalten, das anderen Menschen betrifft und nicht die Aktionen, die ausschließlich die eigene Person betreffen. Sie ist darauf ausgerichtet, Schaden und Übel zu reduzieren, hat aber nicht das Ziel, das Wohlergehen zu maximieren oder den Reichtum zu mehren.“

Die zehn moralischen Regeln

Die Moral enthält alles, was allgemein als die moralischen Regeln, Ideale und Tugenden betrachtet wird. Sie gilt für alle rationalen Personen, die sich ihr nicht entziehen können. Die Moral ist ein öffentliches System, über das sich alle rationalen Personen bewusst sind und sie als Richtschnur für das eigene Verhalten akzeptieren. Sie ist außerdem ein informelles System, da es keine moralischen Autoritäten gibt sowie kein Entscheidungsverfahren, das auf alle moralischen Fragen eine eindeutige Antwort liefert.

Der Kern der Moral setzt sich laut Bernhard Gert aus zehn moralischen Regeln zusammen. Der Mensch soll weder töten noch anderen Menschen Schmerzen zufügen. Er soll nicht unfähig machen und sich nicht der Freiheit, der Chancen oder der Lust entziehen. Der Mensch soll nicht täuschen und seine Versprechen halten. Er soll nicht betrügen, dem Gesetz gehorchen und seine Pflicht tun, die ihm aus bestimmten sozialen Rollen und Funktionen zukommt.

Die fünf grundlegenden Übel

Als Ausgangspunkt für die zehn Regeln setzt Bernhard Gert fünf grundlegende Übel an, die jede rationale Person für sich und nahe stehenden Personen zu vermeiden sucht. Er zählt dazu den Tod, den Schmerz, geistige und körperliche Behinderung und Unfähigkeit sowie den Verlust der Freiheit und der Freude. Die moralischen Regeln sind nicht absolut gültig, sondern dürfen verletzt werden, wenn einige oder alle rationalen Personen der Ansicht sind, dass die öffentliche Erlaubnis einer Regelverletzung weniger Schaden und Übel verursacht als ihr öffentliches Verbot.

Bernhard Gert ist davon überzeugt, dass es zu einigen moralischen Problemen mehr als nur eine gültige Lösung gibt und das Moralsystem keine Handlung als moralisch falsch klassifiziert, die eine rationale Person für moralisch richtig erkannt hat. Ein Mensch verfügt über moralische Tugenden, wenn er die moralischen Regeln oder Ideale über das durchschnittliche Maß hinaus befolgt. Wer moralischen Idealen folgt, will jene Übel verhindern oder mindern, deren Verursachung die moralischen Regeln verbieten. Keiner ist jedoch verpflichtet, einem Ideal zu folgen, was weder strafwürdig ist noch einer Rechtfertigung bedarf.

Kurzbiographie: Bernhard Gert

Bernhard Gert wurde 1934 in Cincinnati, im amerikanischen Bundesstaat Ohio geboren. Er studierte Philosophie und promovierte über die Moralphilosophie und politische Philosophie von Thomas Hobbes. Seit 1959 lehrt Gert am Dartmouth College Philosophie und ist seit 1976 auch an der medizinischen Fakultät als außerplanmäßiger Professor für Psychiatrie tätig.

1970 erschien die erste Fassung seiner Moraltheorie mit dem Titel „The Moral Rules“. Überarbeitete Versionen seiner Theorie veröffentlichte er 1988 als „Morality. A New Justification of the Moral Rules“ und 1998 sowie 2005 als „Morality. Its Nature and Justification“.

Von Hans Klumbies

2 Gedanken zu „Die Moraltheorie des Bernhard Gert

  • 9. November 2011 um 10:20
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    Wäre es möglich, dass man angibt, woher das obige Zitat stammt? Wäre auch fein, wenn man hier und da einfügen würde, wo Gert betreffendes gesagt hat…

    Danke.

    • 9. November 2011 um 18:12
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      Sehr geehrter Leser/Leserin,

      es tut mir leid, dass ich Ihnen keine Quellenangabe nennen kann, da ich diesen Artikel schon vor langer Zeit geschrieben habe.

      Mit freundlichen Grüßen
      Hans Klumbies

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