Der Filmrebell Marlon Brando

Zum Bühnenstar wurde Marlon Brando, als er am Broadway den nuschelnden, zur Gewalt neigenden Stanley Kowalski spielte, der in Tennessee Williams´ Theaterstück „Endstation Sehnsucht“ seine nymphomanische Schwägerin vergewaltigt. Von den Filmrollen, die ihm danach angeboten wurden, entschied der sich für die Rolle eines querschnittsgelähmten Veteranen in dem Film „Die Männer“ (1950). Um sich auf die Rolle vorzubereiten, zog Brando in ein Veteranen-Hospital, um die Kriegsopfer zu studieren. Ein Jahr später war er mit Vivien Leigh in der Kinoversion von „Endstation Sehnsucht“ auf der Leinwand zu sehen. Der Film kam bei Publikum hervorragend an und entwickelte sich zum Kassenschlager. Marlon Brando hatte den Aufstieg zum Filmstar geschafft.

Marlon Brando gewinnt den Oscar

1952 spielte der einen Freiheitshelden in „Viva Zapata!“. In Cannes wurde er dafür mit dem Preis „Bester Darsteller des Jahres“ ausgezeichnet. Ein Jahr später übernahm er die Hauptrollen als Rebell auf dem Motorrad in „Der Wilde“ sowie als Mark Anton in „Julius Caesar“. Danach verkörperte den ehemaligen Boxer Terry Maloy in dem Filmklassiker „Die Faust im Nacken“ (1954). Für seine Darstellung erhielt er einen Oscar als bester Schauspieler. Ein Jahr später spielte er einen Spieler in „Schwere Jungen, leichte Mädchen“.

Marlon Brando spielt die Rolle seines Lebens: Don Corleone

In den sechziger Jahren verblasste Marlon Brandos Popularität. Die meisten seiner Filme waren weder kommerziell noch künstlerisch erfolgreich. 1972 feierte der Schauspieler ein phänomenales Comeback als genialer Charakterdarsteller in der Rolle des „Don Corleone“ in dem Film „Der Pate“, für die er einen Oscar erhielt. Da er nicht viel von solchen Auszeichnungen hielt, erschien er auch nicht persönlich, um den Preis abzuholen, sondern schickte als Stellvertreterin eine indianische Schauspielerin. Mit dieser Aktion protestierte er gegen die Diskriminierung der Indianer in der Filmbrache. Zu großer Form läuft Marlon Brando noch einmal in dem Streifen „Der letzte Tango in Paris“ (1972) auf, wo er seine ganze primitive Potenz einsetzt, um mit seiner Partnerin Maria Schneider die Abgründe seiner sexuellen Fantasien auszuleben.

Kurzbiographie: Marlon Brando

Marlon Brando wurde am 3. April 1925 in Omaha im amerikanischen Bundesstaat Nebraska geborne. In seiner Jugend war Brando aggressiv und aufsässig. Da er sich nicht mit dem Drill in einer Militärakademie abfinden konnte, endete sein Aufenthalt dort mit einem Rausschmiss. Anschließend ging der nach New York und studierte an Stella Adlers Schauspielschule, aus der später das Actors´ Studio entstand. Gelehrt wurde dort die naturalistische Methode nach Stanislawsky.

Marlon Brando strahlte in seinen Filmen oft eine beunruhigende Präsenz des brutalen Typs aus, der massig und ungehobelt daherkommt und eine primitive Erotik verkörpert, die geradezu körperlich spürbar war. Man täte allerdings dem Schauspieler Unrecht, ihn auf die Rolle des groben Flegels festzunageln. Stark und bedrohlich wirkte er vor allem durch seine erschreckende Ernsthaftigkeit und dem Gefühl einer unterdrückten Leidenschaft, die unter seiner kühlen Oberfläche brodelte.

In den Jahren 1978 und 1979 übernahm er noch einmal kurze Gastrollen in den Filmen „Superman“ und „Apocalypse now“, die ihm Millionengagen einbrachten.  Für seine Darstellung eines engagierten Anwalts im Kampf gegen das südafrikanische Apartheidregime in dem Kinofilm „Weiße Zeit der Dürre“ wurde er 1990 noch einmal für einen Oscar vorgeschlagen. Marlon Brando zog sich 1991 aus dem Filmgeschäft zurück und starb am 1. Juli 2004 in Los Angeles.

Von Hans Klumbies

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