Friedrich Nietzsche verehrte Richard Wagner

In seinen neuen nie fertig gestellten „Unzeitgemäßen Betrachtung“ schreibt Friedrich Nietzsche: „Man verehrt und verachtet in jungen Jahren wie ein Narr und bringt wohl seine zartesten und höchsten Gefühle zur Auslegung von Menschen und Dingen dar, welche nicht zu uns gehören, so wenig als wir zu ihnen gehören.“ Später erschrickt man seiner Meinung nach zu entdecken, wie wenig man damals die Augen offen gehabt hat, als man auf diesen Altären opferte. Was diesen Satz prägt, ist laut Christian Niemeyer das Statement, er habe damals „im Geheimen“ angefangen, „über Richard Wagner zu lachen“, aber, da er noch nicht aufgehört hatte, ihn zu lieben, habe ihn sein eigenes Gelächter „noch ins Herz“ gebissen. Der Erziehungswissenschaftler und Psychologe Prof. Dr. phil. habil. Christian Niemeyer lehrte bis 2017 Sozialpädagogik an der TU Dresden.

In den Heiligen und den Künstlern liegt das Ziel

So gehört es für Friedrich Nietzsche zur Geschichte eines Jeden, der von seinem eigenen Lehrer unabhängig wir und endlich seinen eigenen Weg findet. Dies ist die nachträgliche, staunend registrierte Verzweiflung ob des „frühen“ Friedrich Nietzsche. Dieser macht den „späten“ schon sprachlos macht wegen dessen unkritischer Verehrung von Richard Wagner. Friedrich Nietzsche erlag dessen Einfluss vorübergehend. Deshalb brachte Ungeheuerlichkeiten und Absurditäten zum „Vorwort an Richard Wagner“ zu Papier.

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Friedrich Nietzsche schrieb: „Weder der Staat, noch das Volk, noch die Menschheit sind ihrer selbst wegen da. Sondern in ihren Spitzen, in den großen >Einzelnen<, den Heiligen und den Künstlern liegt das Ziel.“ Wenige Wochen zuvor hatte sich Friedrich Nietzsche diese Quintessenz in einer privaten Niederschrift gleichsam als Auftrag in eigener Sache vorgelegt: „Jeder Mensch, mit seiner gesamten Tätigkeit, hat nur so viel Würde als er, bewusst oder unbewusstes Werkzeug des Genius ist.“

Richard Wagner löst ein rauschhaftes Musikempfinden aus

Friedrich Nietzsche sprach damals im Alter von 26 Jahren die Sprache des Fanatismus. Im Sommer 1880 drückt er das selbstironisch wie folgt aus: Weniger einem Menschen denn einem Huhn gleichend, dem ein „Stück Gehirn“ ausgeschnitten wurde und das nun „halbtrunken und schwankend die Reflexbewegung der Anbetung“ ausführt. Damit ist laut Christian Niemeyer eigentlich schon das Urteil gefällt über die „Tragödienschrift“. Es handelt sich dabei um Friedrich Nietzsches Erstling „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ (1872).

Trotz verdeckter antisemitischer Töne kann man Friedrich Nietzsches „Geburt der Tragödie“ nicht in ihrer Gesamtheit als völkische Programmschrift lesen. So redet er an einigen Stellen nur vom Wiedergewinn „der metaphysischen Bedeutung des Lebens“. Also ohne das Attribut „deutsch“ zu verwenden. Er scheint dabei getragen von dem Ziel eine Chiffre für eine Art neuer Empfindsamkeit respektive für das durch Richard Wagners Schaffen ausgelöste rauschhafte Musikempfinden verfügbar zu machen. Quelle: „Auf die Schiffe ihr Philosophen!“ von Christian Niemeyer

Von Hans Klumbies