Chefredakteurin Jana Glaese schreibt in ihrem Editorial: „Die neue Sonderausgabe des Philosophie Magazin sucht Antworten bei jenen Denkerinnen und Denkern, die der Welt und ihren Krisen seit Jahrzehnten philosophierend begegnen.“ Die Wirkungsfelder dieser Philosophinnen und Philosophen reichen von Theorien des Kolonialismus, des Feminismus und der Demokratie über Tierethik und Ökologie bis hin zur Erforschung des Bewusstseins und der Spiritualität. Peter Sloterdijks philosophisches Werk widmet sich dem Kleinen, Feinen und Fragilen, beseelten Räumen und gesellschaftlichen Stimmungen. Offenbar bekommt man zwar das Sein nicht zu fassen, aber das darüberliegende Geflecht aus Stimmungen und Motivationen – den eigentlichen Stoff der jüngeren Weltgeschichte. Peter Sloterdijk hat sein Hauptwerk „Sphären“ gelegentlich als Versuch über Sein und Raum bezeichnet. Die Existenz wäre seiner Meinung nach nicht nur als Produkt der Geschichtlichkeit zu denken, sondern mehr noch in Räumlichkeit. Diese manifestiert sich in Beziehungen zwischen Personen, in Weltbildern, in Architektur, Design und Klangausbreitung.
Jana Glaese
Kafkas Werk hat der philosophischen Nachwelt einen Schatz hinterlassen
Der Titel der Sonderausgabe Nr. 29 des Philosophie Magazins lautet: „Der unendliche Kafka“. Jana Glaese, Chefredakteurin der Sonderausgabe, schreibt: „Kafkas Werk hat der philosophischen Nachwelt einen Schatz hinterlassen. Von Walter Benjamin und Theodor Adorno über Hannah Arendt und Albert Camus bis hin zu Giorgio Agamben, Gilles Deleuze und Judith Butler ist Kafka eine zentrale Referenz der Philosophie.“ Der Philosophie in ihrer akademischen und systematischen Gestalt misstraut Franz Kafka. Doch mit Begeisterung liest er jene Denker, in deren Texten und Biografien er seine eigenen existenziellen Fragen erkennt. Søren Kierkegaard (1813 – 1855) war der Philosoph, den Kafka wohl am intensivsten gelesen hat. Die biografischen Ähnlichkeiten der beiden sind augenfällig: Es verbindet sie eine Neigung zu Schuldgefühlen und zum Grübeln, vor allem aber das problematische Verhältnis zur Eheschließung.