Reinhard Haller kennt alle Spielarten der Rache

Spektakuläre Gewalttaten und alltägliche Gemeinheiten des Zwischenmenschlichen haben eines gemeinsam. Im Kern von beiden steckt häufig Rache. Psychiater, Suchtexperte und Bestsellerautor Reinhard Haller öffnet in seinem neuen Buch „Rache“ das Tor zu einer bisher weitgehend unerforschten Dimension der Gefühle. Er beschreibt dabei alle Spielarten der Rache und legt ihre Wurzeln frei. Reinhard Haller erklärt wie aus einem dünnen Trieb, etwa in Gestalt einer geringfügigen Zurückweisung, wie sie im Alltag laufend vorkommt, oft Gewaltsames entstehen kann. Rache ist ein Gefühl, das in allen, auch in den engsten Beziehungen, vorkommt. Nicht selten folgen auf die Gedanken an Rache auch Taten. Meist sind es nur geringfügige Boshaftigkeiten, die im Trubel des Alltags kaum Aufmerksamkeit bekommen. Oft entstehen daraus jedoch psychische Probleme und Konflikte in der Partnerschaft oder im Beruf.

Rache ist vielseitig und geheimnisvoll

Reinhard Haller schreibt: „Rache – welch ein Gefühl! So vielseitig und geheimnisvoll, so vertraut und rätselhaft, allgegenwärtig und trotzdem verdrängt.“ Sie ist jedem bekannt und von allen gefürchtet, oft verherrlicht und noch häufiger verflucht, komplex und mysteriös – und voller Gegensätzlichkeit. Süß und bitter nennt man die Rache, heilig und teuflisch, heißblütig und kaltherzig, verlockend und abstoßend zugleich. Rache gibt vielen Menschen Genugtuung, ruft aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen hervor. Sie will Gerechtigkeit, aber schafft neues Unrecht.

Dieses Buch zeigt Rache als ungemein vielfältiges, nicht völlig durchschaubares und nur in Teilbereichen zu begreifendes Gefühl. Dies trifft auch auf die ihr zugrunde liegenden Ursachen und Motive zu. Oft sind sie ganz klar zu erkennen, ein anderes Mal bleiben sie zweifelhaft und manchmal diffus. Zu unterscheiden sind dabei die Motive von den Ursachen, welche die sichtbaren äußeren Faktoren erfassen. Im Gegensatz dazu betrifft die Motivation die innere Seite, also das, was die rächende Person antreibt und zur Rache verlockt.

Vergeben und Verzeihen machen die Rache überflüssig

In Partnerschaften regieren stets heftigste Emotionen, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Dabei kann höchste Zuneigung in abgrundtiefen Hass und unsterbliche Liebe in unerbittliche Rache umschlagen. In jeder Partnerschaft gibt es unvermeidliche Machtkämpfe, in denen einer der Partner eine Niederlage einstecken muss. Daraus entstehen auf Ausgleich und Heimzahlen hinauslaufende Rachebedürfnisse. An der Spitze aller partnerschaftlichen Racheauslöser steht die Eifersucht.

Die beste Lösung im Umgang mit der Rache läge für Reinhard Haller im konstruktiven Überwinden, im Vergeben und Verzeihen: „Doch dieses ist nicht immer möglich, denn wir sind mit den Widersprüchlichkeiten der Rache oft überfordert.“ Entscheidend für die Bewältigung ist immer, wie ein Mensch mit seinen Rachegefühlen und dem Bedürfnis danach umgeht. Es kommt ganz darauf an, ob er diese ausleben und befriedigen oder unterdrücken und bewältigen will. Gegen Ende seines Buchs macht Reinhard Haller zehn Vorschläge, die dabei helfen sollen, mit dem lebensbegleitenden und häufig lebensbestimmenden Gefühl der Rache so zurecht zu kommen, dass möglichst wenig unnötiger Schaden verursacht wird, weder bei den rächenden Personen noch bei den Opfern.

Rache
Gefangen zwischen Macht und Ohnmacht
Reinhard Haller
Verlag: Ecowin
Gebundene Ausgabe: 235 Seiten, Auflage: 2021
ISBN: 978-3-7110-0234-1, 24,00 Euro

Von Hans Klumbies

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