Der Trinkwassermangel wird sich weiter verschärfen

Eine Krise, die sich gewissermaßen im Schatten der Nahrungskrise abspielt und in menschlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht ebenso verheerend ist wie diese, ist für Daniel Goeudevert die weltweite Krise der mangelnden Trinkwasserversorgung und fehlender Sanitäreinrichtungen. Sie sind seiner Meinung nach schon seit Jahren die Ursache von Gewalt, Elend und millionenfachem Sterben. Nur der allerkleinste Teil der Wasserreserven des Planeten Erde kann von den Menschen genutzt werden. Daniel Goeudevert fügt hinzu: „Aber selbst dieser kleine Teil, der sich in Grundwasserspeichern, in Flüssen, Seen und im Wassergehalt der Atmosphäre befindet, würde vom Volumen her locker ausreichen, um den weltweiten Wasserbedarf zu decken.“ Der Topmanager Daniel Goeudevert war Vorsitzender der deutschen Vorstände von Citroën, Renault und Ford sowie Mitglied des Konzernvorstands von VW.

Die Regenerationsfähigkeit der Frischwasservorräte ist begrenzt

Das Problem ist, dass die Wasserreserven jedoch regional sehr ungleich verteilt sind. Daniel Goeudevert erklärt: „In den USA beispielsweise, wo etwas sechs Prozent der Weltbevölkerung leben, lagern 25 Prozent der Weltreserven an Trinkwasser, während Asien, wo etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung leben, nur über etwa ein Drittel der Weltreserven verfügt.“ Etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Regionen, vor allem in Afrika, im Nahen Osten und in Westasien, in denen akuter Wassermangel herrscht. Die Süßwasserkrise wird sich dort in der Zukunft weiter verschärfen.

Zur Verschärfung der Krise tragen unter anderem das Bevölkerungswachstum, die Verschmutzung von Grund- und Oberflächenwasser, die ineffektive Nutzung und löchrige Wasserleitungen bei. Viele Menschen gehen allzu sorglos mit dieser unersetzbaren Ressource um und machen das Wasser zu einem immer knapper werdenden Gut. Daniel Goeudevert erläutert: „Im Verlaufe des vergangenen Jahrhunderts stieg der weltweite Wasserverbrauch um das Zehnfache, auf heute mehr als 5.000 Kubikkilometer jährlich, und das Ende eines weiter steigenden Bedarfs ist nicht abzusehen – wohl aber das Ende der Regenerationsfähigkeit der Frischwasservorräte.“

Die Landwirtschaft und die Industrie verbrauchen 90 Prozent des Trinkwassers

Rund 90 Prozent des Trinkwassers verbrauchen nicht die Privathaushalte, sondern die Industrie und die Landwirtschaft. Wie der Energieverbrauch und der Nahrungsmittelkonsum ist auch der Wasserverbrauch weltweit extrem ungleich verteilt. Daniel Goeudevert erklärt: „Denn während ein US-Amerikaner durchschnittlich 450 Liter und ein Europäer durchschnittlich 250 Liter Wasser pro Tag verbrauchen, müssen rund 1,5 Milliarden Menschen ohne gesicherten Zugang zu sauberen Trinkwasser auskommen und ermangelt es 2,5 Milliarden Menschen an grundlegender Sanitärversorgung.“

Nach UN-Angaben sterben jedes Jahr fünf Millionen Menschen, darunter knapp zwei Millionen Kinder, weil sie ungenügend mit saubererem Trinkwasser versorgt sind. Daniel Goeudevert ergänzt: „Nahezu 80 Prozent der Krankheitsfälle in den weniger entwickelten Ländern sind auf verseuchtes Wasser zurückzuführen. Wasserbeschaffung und wasserbedingte Krankheitsfälle binden Arbeitskraft und verhindern Bildung – verlängern das Leiden also in die Zukunft.“

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 

 

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