Wer sich über die Rolle sorgt, die Identität mittlerweile in den USA – und in geringerem, wenngleich schnell wachsenden Ausmaß, auch in Deutschland – spielt, der wird gern für seine ungesunde Fixierung auf den Kulturkampf, der in den sozialen Medien tobt, verlacht. Neue Ideen über Identität üben in Kanada, Großbritannien und den Vereinigten Staaten bereits enormen Einfluss aus. Yascha Mounk stellt fest: „Grundlegende Annahmen über Gerechtigkeit, den Wert von Gleichheit und die Bedeutung von Identität haben sich in tiefgreifender Weise verändert.“ Im Streit um diese Ideologie geht es um nicht mehr oder weniger als die Regeln und Prinzipien, welche die Gesellschaften des Westens in den nächsten Jahrzehnten prägen werden. Yascha Mounk ist Politikwissenschaftler und lehrt an der Johns Hopkins Universität in Baltimore.
woke
Die Identitätssynthese ist eine gefährliche Idee
In seinem neuen Buch „Im Zeitalter der Identität“ setzt sich Yascha Mounk mit dem wachsenden Einfluss neuer Ideen von der Rolle der Identität kritisch auseinander. Yascha Mounk schreibt: „Wie ich es darstelle, haben wir in den letzten Jahren nichts weniger als die Geburt einer neuen Ideologie erlebt – einer Ideologie, die weithin als „woke“ bekannt ist, obwohl ich den Begriff der „Identitätssynthese“ für trefflicher halte.“ Die Identitätssynthese wendete sich von Anfang an ausdrücklich gegen die Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Sie peilt eine Gesellschaft an, in der Kategorien wie das Geschlecht, die Hautfarbe und die sexuelle Orientierung nicht etwa an Bedeutung verlieren – sondern stets bestimmen, wie sich Menschen einander wahrnehmen und behandeln. Yascha Mounk ist Politikwissenschaftler und lehrt an der Johns Hopkins Universität in Baltimore.