Zarathustra ist ein Tänzer

In seiner vom nahen geistigen Zusammenbruch schon gekennzeichneten intellektuellen Autobiographie „Ecce homo“ schreibt Friedrich Nietzsche: „Man darf vielleicht den ganzen Zarathustra unter die Musik rechnen.“ Konrad Paul Liessmann weiß: „Friedrich Nietzsche hatte schon immer ein Faible für lyrische und musikalische Formen gehabt.“ Sein in jungen Jahren entworfenes Konzept des Dionysischen verstand sich als Ausdruck eines rauschhaften pulsierenden Lebens. Und die von ihm gern verwendete Form des Dithyrambus was als ekstatischer Hymnus auf den Gott des Weines und ein rauschhaftes Leben gedacht. Ebenfalls in „Ecce homo“ konstatiert Friedrich Nietzsche, dass der Dithyrambus die Sprache Zarathustras sei. Konrad Paul Liessmann ist Professor für Philosophie an der Universität Wien. Zudem arbeitet er als Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist. Im Zsolnay-Verlag gibt er die Reihe „Philosophicum Lech“ heraus.

Das Leben ohne Musik ist ein Irrtum

Friedrich Nitzsche betont: „Zarathustra ist ein Tänzer.“ Und in einem seiner letzten wachen Momente schrieb er an seinen Freund, den Komponisten Heinrich Köselitz: „Das Leben ohne Musik ist einfach ein Irrtum, eine Strapaze, ein Exil.“ Dieser Gedanke gehört zu den meistzitierten Sentenzen Friedrich Nietzsches, auch er selbst liebte diese Formulierung. Für Friedrich Nietzsche bildeten Denken und Musik eine Einheit. Sein Gedicht „Oh Mensch! Gieb Acht!“ gehört zu den bekanntesten Texten dieses Philosophen.

Schon wenige Jahre nach dem Tod Friedrich Nietzsches war dieses Lied so geläufig, dass eine Zeile daraus als Titel eines eher trivialen Liebes- und Abenteuerromans dienen konnte. Anna von Bonin gab einem ihrer Romane den Titel „Tiefer als der Tag gedacht“. Das Buch erschien im Jahre 1901. Ein Jahr nach Friedrich Nietzsches Tod war diese Verszeile ins kulturelle Bewusstsein seiner Zeit abgesunken. An der Bekanntheit und Attraktivität dieser Verse hat sich bis heute wenig geändert.

„Also sprach Zarathustra“ ist vom Rhythmus geprägt

Das hat mit der zentralen Stellung dieses Gedichts in „Also sprach Zarathustra“ und damit für Friedrich Nietzsches Philosophie zu tun. Aber auch mit der Musikalität und poetischen Qualität, die diese nur vordergründig schlichten und gemütvollen Verse auszeichnen. „Also sprach Zarathustra“, diese rhythmisierte Philosophie, enthält zwar immer wieder lyrische Einschübe, Tanzlieder und Gedichte. Aber nur dieses „Oh Mensch! Gieb Acht!“ weist einen Endreim auf, der die Zeilen dieses Liedes in ungeheurer, überdeutlicher Weise aneinanderbindet und verdichtet.

Konrad Paul Liessmann betont: „Mit den Schlägen der Mitternachtsglocke und den damit intonieren Versen sind die Themen dieses Buches umrissen.“ Jede Verszeile lädt den Leser zur sinnigen Betrachtung, zu einem Nachdenken, einer Meditation, zu einem Versuch und einer Versuchung ein. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, dieses berühmt gewordene Lied in einem philologischen oder historischen Sinne aus Friedrich Nietzsches Denken und Schreiben zu verstehen. Sondern man sollte der Versuchung nachgeben, sich durch diese wenigen Verse assoziativ zu dem einen oder anderen Gedanken verleiten zu lassen. Quelle: „Alle Lust will Ewigkeit“ von Konrad Paul Liessmann

Von Hans Klumbies

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