Sexuelle Erregung senkt das natürliche Ekelempfinden

Sigmund Freud hat das paradoxe Verhalten von Frischverliebten treffend auf den Punkt gebracht: Ein Mann, der eine Frau leidenschaftlich auf den Mund küsst, wird sich wenig später womöglich davor ekeln, ihre Zahnbürste zu benutzen. Werner Bartens erklärt: „Sexuelle Begierde wie auch Ekel sind zwar Empfindungen, die beide zu den Grundeigenschaften des Menschen gehören, doch sie können sich auch gegenseitig im Weg stehen. Wer mit einem anderen Menschen intim werden will, muss naturgemäß gewisse Ekelschwellen überwinden.“ Denn Sex ist nun mal nicht sauber, sondern unordentlich, feucht und dreckig und ohne den Austausch von Körperflüssigkeiten schwer vorstellbar. Sind Frauen sexuell erregt, steigt passenderweise ihre Ekelschwelle an, das heißt, sie können mehr Dinge ohne Abscheu ertragen und anfassen, die sie ansonsten unangenehm finden würden. Werner Bartens ist Autor von Bestsellern wie „Das Ärztehasser-Buch“, „Körperglück“ und „Was Paare zusammenhält“.

Küsse mindern berufsbedingten Stress im Körper

Die Psychologin Charmaine Borg von der Universität Groningen erläutert: „Im Allgemeinen werden die mit Sex verbundenen Reize als hochgradig abstoßend wahrgenommen. Speichel, Schweiß, Samenflüssigkeit und Körpergeruch gehören zu den stärksten Auslösern von Ekel. Dies führt zu der faszinierenden Frage, wie man es überhaupt schafft, Spaß am Sex zu haben.“ Denn es gehört nun einmal zu einer erfüllten Sexualität, Körpersekrete auszutauschen und sich anzufassen, zu küssen und zu streicheln, gerade wenn es glibberig, schleimig und feucht ist.

Offensichtlich schwächt die sexuelle Erregung die Hemmungen so stark ab, dass es irgendwann kein Problem mehr ist, sich den ansonsten abstoßenden Reizen trotzdem hinzugeben. Werner Bartens erklärt: „Wenn eine Frau in einer langjährigen Beziehung nicht nur keine Lust mehr auf den Partner empfindet, sondern sich sogar vor ihm ekelt und Abscheu empfindet, ihn anzufassen, steht es hingegen schlecht um die Beziehung.“ Dagegen beobachteten Schweizer Psychologen und Psychiater, dass Küsse und andere Zärtlichkeiten zwischen Ehepartnern die biologischen Spuren von berufsbedingtem Stress im Körper mindern halfen.

Seelisches Leid schädigt auch den Körper

Fast die Hälfte aller Menschen geht mit Beschwerden in die Arztpraxis, die sich organisch nicht erklären lassen. Doch die meisten Mediziner übersehen oder ignorieren die psychischen Nöte, die dahinterstecken können. Dabei ist laut Werner Bartens längst erwiesen: „Seelisches Leid hinterlässt auch im Körper deutliche Spuren.“ Deshalb fühlen sich viele Patienten von ihrem Arzt nicht richtig verstanden. In Umfragen geben etwa die Hälfte der Kranken an, dass sie mit den Gesprächen beim Arzt nicht zufrieden sind.

Diese Unzufriedenheit drückt sich oft in Beschwerden aus, für die keine organischen Ursachen gefunden werden können. Am häufigsten klagen solche Patienten über Bauch-, Herz-, Rücken- und Kopfschmerzen. Werner Bartens fügt hinzu: „Viele berichten von unerklärlicher Erschöpfung, Schwindel, aber auch von diffusen Unterleibsschmerzen, plötzlicher Atemnot oder einem Engegefühl im Hals. Alle Symptome haben eines gemeinsam: Es sind Beschwerden ohne Befund.“ Mediziner wissen, dass 90 Prozent aller Menschen innerhalb einer Woche mindestens einmal Schmerzen oder anderes Symptome haben, die sie sich nicht erklären können. Quelle: „Wie Berührung hilft“ von Werner Bartens

Von Hans Klumbies

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