Jeder Mensch hat böse Gedanken und Vorstellungen

Das sogenannte Böse begleitet den Menschen seit Beginn und ist allgegenwärtig, es ist aktuelle und zeitlos. Reinhard Haller warnt: „Je mehr wir uns aber bemühen, dieses Übel zu verdrängen und zu verschweigen, desto mehr wird es uns ängstigen.“ Bei Überlegungen zum Bösen muss man unterscheiden, ob man es mit bösen Fantasien, bösen Plänen oder – was maßgebend ist – mit bösen Handlungen zu tun hat. Jeder Mensch hat bösen Gedanken und Vorstellungen, entwickelt negative Ideen und spürt in sich aggressive Impulse und Strebungen. Solche interpsychischen Vorgänge sind nicht von vornherein etwas Schlechtes. Das heißt, das gedankliche Durchspielen hat oft auch eine entlastende oder einen Konflikt bereinigende Funktion. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

Märchen können unbewusste Aggressionen besänftigen

Der Effekt ist ähnlich wie jener der Märchen. Sie können durch ihre archaischen Bilder, ihre wunderbare Symbolsprache und ihre klare Auflösung die unbewussten Aggressionen und Ängste eines Menschen besänftigen. Für die Psychohygiene ist es von größter Wichtigkeit, dass die Gedanken tatsächlich frei sind und der Mensch nicht durch moralische Vorstellungen vom anständigen Denken dieser inneren Spiel- und Übungswiese beraubt wird. Wenn aus bösen Gedanken böse Pläne mit all ihren schrecklichen Einzelheiten aufgebaut werden, wird der Bereich der persönlichen Freiheit und Verantwortlichkeit zum Teil schon verlassen.

Buchtipp:
„Das Böse“ von Reinhard Haller


Das Buch „Das Böse“ von Reinhard Haller ist auch bei Amazon gelistet. Hier stehen Ihnen weitere Informationen zur Verfügung:


Entscheidend ist aber die Tat, also die Frage, ob Vorstellungen, Gedanken und Pläne tatsächlich in Handlungen umgesetzt werden. Dann wird nämlich die Grenze von innen nach außen überschritten und der Schritt zur Verwirklichung, zum bösen Werk getan. Die Verwerflichkeit des Bösen hängt also von der Frage der Umsetzung in eine konkrete Handlung ab. Je klar der Verstand, desto größer ist die Möglichkeit zur bösen Entscheidung. Ein Tatverhalten ist als umso bösartiger zu bezeichnen, je mehr der dahintersteckende Plan in vollsinnigem Zustand entworfen wurde.

Mord und Vergewaltigung werden generell als böse eingeschätzt

Das Empfinden der Bevölkerung wertet jene Taten als besonders verwerflich, die zu jeder Zeit und in jeder Kultur als moralisch untragbar und sündhaft gelten. Reinhard Haller erläutert: „in der Rechtskunde werden Mord, Vergewaltigung, Diebstahl als „delicta mala per se“ bezeichnet. Das bedeutet, sie werden unabhängig von jeder rechtlichen und religiösen Wertung als böse eingeschätzt.“ Es muss also etwas geben wie eine genetisch angelegte Möglichkeit der Unterscheidung zwischen Gut und Böse.

Dieser „Moralinstinkt“ lässt sich aber nicht näher definieren. Ähnlich wie beim Begriff des Bösen weiß doch jedermann, was damit gemeint ist. Es geht dabei um die Einhaltung von bestimmen sozialen Regeln, die für das Zusammenleben von Menschen unabdingbar sind. Dazu kommen die Achtung der Rechte des anderen und die Eindämmung eigener egoistischer Ansprüche. Vor allem aber soll die Zerstörung menschlichen Lebens verhindert werden. Quelle: „Das Böse“ von Reinhard Haller

Von Hans Klumbies