Drei Revolutionen prägten das Werk Immanuel Kants

Bei dem Wort „Revolution“ denken viele Leute heute zumeist an einen politischen Umsturz. Aber seinen ersten großen Auftritt in der europäischen Geistesgeschichte hatte es in der Astronomie. „De revolutionibus orbium coelestium“ – sprich „Über die Umwälzungen der Himmelsphären“ – so lautet der Titel des seinerseits revolutionären Buches, in dem Nikolaus Kopernikus 1543 sein heliozentrisches Weltbild darlegte. Marcus Willaschek erklärt: „Nicht die Sonne dreht sich um die Erde, wie der Augenschein es nahelegt und die Bibel behauptet, sondern die Erde und die anderen Planeten drehen sich um die Sonne.“ An die kopernikanische Bedeutung des Wortes „Revolution“ als „Umwälzung“ oder „Umdrehung“ knüpft Immanuel Kant an, der 1755 selbst eine bedeutenden, wenn auch lange vergessenen Beitrag zur modernen Astronomie leistet. Marcus Willaschek ist ein international führender Kant-Experte und Professor für Philosophie der Neuzeit an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Immanuel Kant stellt den Menschen in den Mittelpunkt der Welt

Marcus Willaschek weiß: „Drei sehr unterschiedliche Revolutionen haben das Leben und das Werk Immanuel Kants geprägt – eine persönliche, eine philosophische und eine politische.“ Die erste von ihnen, eine innere Umkehr Kants, ereignete sich Mitte der 1760er Jahre um seinen vierzigsten Geburtstag herum. Sie hatte großen Einfluss auf seine Philosophie, denn sie machte aus dem Naturwissenschaftler und Metaphysiker Immanuel Kant einen ethischen und politischen Denker.

Die zweite Revolution vollzog sich in den 1770er Jahren und fand ihren Ausdruck in Immanuel Kants Hauptwerk der „Kritik der reinen Vernunft“ von 1781. Deren „Revolution der Denkart“ bestand laut Marcus Willaschek darin, das Verhältnis von erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt umzukehren und das menschliche Subjekt in den Mittelpunkt der Welt zu stellen. Die dritte Revolution begann am 14. Juli 1789 in Paris der der Erstürmung der Bastille und führte zu Erklärung der Menschenrechte und der Errichtung der Französischen Republik.

Immanuel Kant zählte zu den berühmtesten Denker seiner Zeit

Die Französische Republik radikalisierte Emmanuel Kants Denken und prägte seine späteren Werke der 1790er Jahre. Marcus Willaschek erläutert: „Diese drei revolutionären Umwälzungen ereignen sich in einem Leben, das äußerlich durch Regelmäßigkeit und Konstanz gekennzeichnet ist.“ Immanuel Kant lebte still und gleichförmig im ostpreußischen Königsberg, der alten Residenz- und Handelsstadt, dem heutigen Kaliningrad. Dort wurde er am 22. April 1724 geboren.

Immanuel Kant unterrichtete über 40 Jahre an der ehrwürdigen Albertus-Universität und starb in Königsberg am 12. Februar 1804 als berühmtester und bedeutendster Denker seiner Zeit. Marcus Willaschek fügt hinzu: „Er blieb sein Leben lang Junggeselle, reiste nie und schlug alle Einladungen und Berufungen an andere Orte aus, um sich ganz seinem Werk zu widmen.“ Doch durch Briefe, Besucher, Zeitungen und Bücher war er bestens über das Geschehen im Rest der Welt informiert. Quelle: „Kant“ von Marcus Willaschek

Von Hans Klumbies