Kevin Dutton plädiert für eine Welt der Grautöne

Kevin Dutton legt in seinem neuen Buch „Schwarz. Weiß. Denken!“ die evolutionären und kognitionspsychologischen Grundlagen des menschlichen binären Denkens dar. Außerdem zeigt er, wie man den Grautönen wieder zu ihrem Recht verhelfen kann. Kevin Dutton ist sich sicher: „Wenn wir uns unserer Anlagen bewusst werden, können wir künftig nuanciertere und klügere Entscheidungen treffen.“ Der Autor gibt seinen Lesern hervorragende Hilfsmittel an die Hand, die sie vor Beeinflussung schützen und ihnen dabei helfen, selbst überzeugender aufzutreten. Kevin Dutton weist darauf hin, dass das Schwarz-Weiß-Denken unübersehbare gefährliche Folgen hat. Die Unterschiede zwischen gegensätzlichen Meinung vergrößern sich. Zudem gedeihen der Populismus, der Extremismus und der Rassismus in nicht für möglich gehaltener Stärke. Die Fähigkeit der Menschen zu rationalem Denken beginnt zu schwinden. Kevin Dutton ist Forschungspsychologe an der University of Oxford und Mitglied der British Psychological Society.

Selbst gezogene Grenzen können richtig oder falsch sein

Es gibt jede Menge binärer Möglichkeiten, um Gruppen in zwei Lager zu spalten. Bei so vielen unterschiedlichen Identitäten ergeben sich auch jede Menge gegensätzlicher Vorlieben. In einer undurchsichtigen Welt voller, unscharfer, verschwommener Grenzen ergreifen viele Menschen die Chance, alles bedingungslos zu kategorisieren. Farbe zu bekennen. Vor allem, wenn diese Farben rein und einfach sind und keine psychische Herausforderung darstellen. Die Welt ist gespalten. Wohin man auch blickt, gibt es Grenzen.

Buchtipp:
"Warum wir ticken, wie wir ticken, und wie uns die Evolution manipulierbar macht" von Kevin Dutton


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Dabei kann man sich nie sicher sein, ob die von einem selbst gezogenen Grenzen die richtigen sind. Und doch ist man gezwungen, sie zu ziehen. Kevin Dutton nennt den Grund: „Weil die Welt ein komplizierter Ort ist und weil Dinge durch das Ziehen von Grenzen einfach werden und sich bewältigen lassen, „machbar“ werden. Und wir sehnen uns nach Machbarkeit.“ Das Buch „Schwarz. Weiß. Denken!“ handelt also von Ordnung. Oder eher von der Illusion von Ordnung.

Das Schachbrettdenken spaltet die Gesellschaft

Die binäre Kognition, die für das Überleben der Menschheit keinesfalls erforderlich ist, könnte eines Tages ihr Schicksal besiegeln. Wohin man auch schaut, ein Schachbrettdenken spaltet die Gesellschaft. Dies trifft in besonderem Maße auf die flüchtige, oberflächliche Welt der sozialen Medien zu. Die meisten Menschen sehnen sich nach Unterscheidungen, Dichotomien und Grenzen. Kevin Dutton weiß: „Dass Unterscheidungen und Dichotomien jedoch schnell zu Spaltung, Diskriminierung und Zweitracht führen können, wenn wir die Grenzen zwischen Menschen statt zwischen Bildern ziehen.“

Menschen leben nicht in einer Welt der binären Schwarz-Weiß-Dichotomien, sondern der Kontinua. Sie existieren nicht in einer Umwelt des Ja oder Nein, des Dies oder Das, der einen oder anderen Dualitäten. Sondern sie spazieren durch ein Universum der Vielleichts, der Wahrscheinlichkeiten und Grauzonen. Und Grenzen sind die Zauberstäbe der Einfachheit. Das Problem ist jedoch, dass Einfachheit auf einem Spektrum liegt. Und dass sie außergewöhnlich vielschichtig ist.

Schwarz. Weiß. Denken!
Warum wir ticken, wie wir ticken, und wie uns die Evolution manipulierbar macht
Kevin Dutton
Verlag: dtv
Gebundene Ausgabe: 428 Seiten, Auflage: 2021
ISBN: 978-3-423-28245-1, 24,00 Euro

Von Hans Klumbies