Die Menschen denken schlau und handeln blöd

Gegen ihre Gefühle sin die Menschen weitgehend machtlos. Der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht hat die Folgen schön auf den Punkt gebracht: „Wir denken schlau und handeln blöd.“ Die Gefühle der Menschen sind ein Ergebnis ihrer biologischen Entstehungsgeschichte. Dirk Steffen und Fritz Habekuss erklären: „Angst vor giftigen Schlangen, Vertrauen zur Familie, Misstrauen gegenüber Ungekannten. Solche Emotionen waren überlebenswichtig für die frühen Menschen. Und von denen haben wir sie geerbt. Sie stecken in unseren Genen.“ Und diese ziehen die Menschen wie Marionetten an unsichtbaren Fäden durch ihre Existenz. Dabei kennen die Gene nur eine Richtung: Expansion. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

Gene degradieren den Menschen zur Überlebensmaschine

Gene sind, obwohl sie weder Absichten noch Gefühle haben, die eigentlichen Triebfedern des Lebens. Ihr einziges Ziel ist die Vermehrung und der Sprung in die nächste Generation. Die menschlichen Körper sind bloß Vehikel, in denen sie ein Stück weit durch Raum und Zeit reisen. Ist der Wirtskörper bei der Fortpflanzung erfolgreich, können sie neue Wirte besiedeln, die sie dann wiederum zur Vermehrung treiben. Und so läuft das schon seit Milliarden Jahren.

Die Gene wanderten durch zahllose Einzeller, Fische und Primaten. Sie veränderten sich, passten sich an ihre Wirtskörper an die jeweiligen Umweltbedingungen an und steuern nun auch die heute lebenden Menschen. Dirk Steffens und Fritz Habekuss erläutern: „Das ist die Theorie vom egoistischen Gen. Sie degradiert das Individuum zu einer Überlebensmaschine.“ Eines der Resultate der genetisch programmierten Expansion ist der menschliche Drang, immer weiter zu wollen, zu immer neuen Ufern aufzubrechen.

Die Menschheit wird zum Opfer ihres eigenen Erfolgs

Zwar breiten alle Arten sich aus, seit Charles Darwin weiß man das, aber die Menschen verfügen eben über ganz besondere Möglichkeiten. Dirk Steffens und Fritz Habekuss konkretisieren: „Unser Eroberungswille ist eine der uns am stärksten definierenden Eigenschaften. Neues macht uns zwar Angst, es treibt uns aber gleichzeitig hinaus in die Welt.“ Die menschliche Stammesgeschichte ist die Erzählung einer Pionierart. Diese dringt in neue Lebensräume vor. Sie nutzt ihre Ressourcen und zieht anschließend weiter, wenn es nichts mehr zu holen gibt.

Doch nun sind die Menschen so viele, dass sie überall schon sind, alles erobert haben. Der nächste Schritt muss hinaus in den Weltraum führen. Nur dort kann es anscheinend noch weitergehen. Nur dort ist es möglich, noch in Regionen vorzudringen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Die Menschen expandieren zwanghaft und werden zu Opfern ihres eigenen Erfolgs. Denn der Einfluss der Menschheit auf das Erdsystem ist gewaltig. Nie zuvor war eine einzige Tierart derart dominierend auf diesem Planeten. Quelle: „Über Leben“ von Dirk Steffens und Fritz Habekuss

Von Hans Klumbies

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