Manche Gewohnheiten steigern die Lebensfreude

Im chinesischen „Buch der Riten, Sitten und Gebräuche“ heißt es: „Darum wendet der Weise sich zurück zu den ursprünglichen Gefühlen, um seinen Willen zu harmonisieren. Nachlässigen und verkehrten Gewohnheiten erlaubt er nicht, von seinem Leib Besitz zu ergreifen.“ Wie der Yoga in Indien, so haben auch die alten Chinesen der Beherrschung der körperlichen und seelischen Funktionen die höchste Priorität eingeräumt. Daneben übten sie wohltuende und die Lebensfreude steigernde Gewohnheiten. Albert Kitzler schreibt: „Sie sind der Transmissionsriemen von der Einsicht zum praktischen Leben. Als Pflicht ist hier in erster Linie die Plicht gegen sich selbst meint.“ Richtig verstanden, schließen die Selbstsorge und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit die Fürsorge für andere mit ein. Der Philosoph und Jurist Dr. Albert Kitzler ist Gründer und Leiter von „MASS UND MITTE“ – Schule für antike Lebensweisheit.

Durch innere Ruhe wandelt man glückselig

Jede Selbstkultivierung aber setzt einen gewissen Grad an Beherrschung voraus. Nämlich der durch die Sinne wachgerufenen Begierden sowie des Köpers. Albert Kitzler warnt: „Wenn wir sie nicht beherrschen, beherrschen sie uns.“ Die menschlichen Begierden haben jedoch keinen Verstand und die Instinkte sind verkümmert. Deshalb bedenkt man die Folgen nicht, die jedoch sehr unangenehm sein können. In den altindischen Upanishaden heißt es: „Durch die Bezähmung bezähmt, schüttelt man ab die Fehler.“

Weiter steht dort geschrieben: „Durch Ruhe ruhig, wandelt man glückselig.“ Wer sich selbst Gesetzt gibt, herrscht über sich. Immanuel Kant sah in dieser Herrschaft über sich selbst, die höchste Form der Freiheit des Menschen. Nicht der Freiheit „von“ etwas, sondern der Freiheit „zu“ etwas, nämlich etwas zu tun. Wer sich selbst beherrscht, wer sich „im Griff hat“, wird ruhiger. Das innere Chaos wird geregelt und gestaltet, harmonisiert und befriedet. Zwiespalt, Unruhe und Zerrissenheit im Innern enden.

Selbstbeherrschung führt zur eigenen Mitte

Auch der römische Philosoph Seneca weiß: „Über sich selbst unbedingte Gewalt zu haben, führt zum Seelenfrieden und zur schrankenlosen Freiheit.“ Eine schrankenlose Freiheit besteht seiner Meinung nach darin, weder vor Menschen noch vor Göttern Furcht zu haben. Zudem sollte man seine Wünsche weder auf Schändliches noch auf Übermäßiges richten und über sich selbst unbedingte Gewalt haben. Es ist für den Stoiker Seneca ein unschätzbares Gut, sein Eigen zu werden.

Der letzte Satz verdichtet noch einmal das Gesagte. Nur Selbstbeherrschung garantiert Selbstaneignung, Selbstverwirklichung, Identität und Authentizität. Man kann seine Selbstbeherrschung dafür einsetzen, seinen wichtigsten Werten im Alltag Geltung zu verschaffen. Dann kommt man unweigerlich zu seiner persönlichen Mitte. Albert Kitzler erläutert: „Wir werden wir selbst, finden innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Das ist der Nährboden für jede Form von Glück.“ Quelle: „Weisheit to go“ von Albert Kitzler

Von Hans Klumbies

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