Eva von Redecker legt in ihrem neuen Buch „Dieser Drang nach Härte“ eine Analyse des Faschismus vor, die unserer Zeit gewachsen ist. Es geht ihr dabei nicht darum, sich möglichst weit von den Feiden abzugrenzen, sondern darum, grundlegenden Widerstand gegen den heute um sich greifenden Drang nach Härte zu leisten, der sin in der entfesselten Verteidigung unbedingter Besitzanmaßungen zuspitzt. Erst, wenn wir seine veränderte Gestalt sprachlich greifen können, verstehen wir, wie der gegenwärtige Faschismus vorgeht – und können ihn wirksam bekämpfen. Den Kern des Faschismus bildet eine entfesselte Eigentumslogik. Sein Gegenüber sind keine Menschen, sondern Dinge; seine Feinde sind keine Gegner, sondern Diebe. Eva von Redecker ist Philosophin und freie Autorin. Sie beschäftigt sich mit der Kritischen Theorie, Feminismus und Kapitalismuskritik.
Eva von Redecker
Der Staat und das Volk stehen sich zunehmend feindlich gegenüber
Das Titelthema des neuen Philosophie Magazin 03/2026 lautet: Staat, was darfst du von mir fordern? Eine Frage von höchster Brisanz. Und großem philosophischen Ernst. Auch in Deutschland wächst das Misstrauen gegenüber politischen Eliten und staatlichen Institutionen. Das Staat und das Volk, eigentlich als Union gedacht, stehen sich, so scheint es, zunehmend feindlich gegenüber. Und auch der Ton gegenüber Menschen, die gar nicht oder wenig arbeiten, wird rauer. Teile der CDU brandmarkten Teilzeit als „Lifestyle“. So dringt die Politik immer tiefer in das Leben jedes Einzelnen. Zu Recht? Oder zu Unrecht? Hat der Staat inzwischen selbst den Anspruch Souverän zu sein? Zeigt er gar Züge der Leviathans, wie Thomas Hobbes ihn entwarf? Eines allmächtigen Staates, der jenen Sicherheit garantiert, die sich ihm unterwerfen?
Drei amerikanische Denkströmungen stecken hinter dem Trumpismus
Das Titelthema des neuen Philosophie Magazins 06/2024 spürt der Frage nach, woher der Trumpismus in Amerika kommt. Donald Trump lügt, pöbelt und bricht Recht. Trotzdem wird er von seinen Anhängern gefeiert und hat Chancen, im November wieder zum Präsidenten gewählt zu werden. Wie ist das möglich? Drei US-amerikanische Denkströmungen, der Konservatismus, ziviler Ungehorsam und der Pragmatismus haben dem Trumpismus den Boden bereitet. So gibt es in der US-amerikanischen Historie konservative Geister, die den Eliten und Institutionen misstrauen und empfahlen, Ordnungen zu zerstören und neue zu errichten. Daneben existiert eine vielschichtige Theorie zivilen Ungehorsams, die bestimmte Rechtsbrüche als progressiv begreift. Und zur US-amerikanischen Philosophiegeschichte zählt auch der Pragmatismus, der Wahrheit nicht als etwas Objektives begreift, sondern als das, was nützlich ist. Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler schreibt: „Wer den Trumpismus wirksam bekämpfen will, muss zuerst seine philosophische Schattenseite begreifen.“
Es tobt ein Kampf zwischen Gut und Böse
Das Titelthema des neuen Philosophie Magazins 03/2024 erörtert die Frage: „Gibt es die Guten und die Bösen?“ Friedrich Nietzsche meinte, dass die Religion ihren Begriff des Guten aus einer „Sklavenmoral“ zöge, die das Starke, Herrische als böse abwerte, um die Schwachen triumphieren zu lassen. Die Zuschreibung des Bösen liegt für den Philosophen Fabian Bernhardt nahe, sobald ein Gegenüber sich an Werten orientiert, die man selbst für problematisch oder gar gefährlich hält. Der Zwang zur Rechthaberei gilt bekanntlich als eine in Deutschland besonders stark ausgeprägte Untugend. Auch weltweit gilt: affektive Erregungswellen, die sich übereinandertürmen, eine nicht endende Flut von Shitstorms, beleidigende Interferenzen, wohin man auch schaut. Wer in Bezug auf eine bestimmte Streitfrage oder einen bestimmten Konflikt jeweils die Guten und die Bösen sind, scheint dabei häufig von vornherein ausgemacht.