Joseph Beuys sah in jedem Menschen einen Künstler

Das Transzendente wird man niemals los, wenn es um die Schönheit geht. Frank Berzbach stellt fest: „Sie ist weder rational noch logisch, sie ist nicht nützlich und nicht unnütz. Sie lässt sich aber assoziativ und essayistisch umkreisen, ihr wohnt etwas Persönliches inne.“ Frank Berzbach glaubt an die Möglichkeit, Menschen für die Schönheit zu sensibilisieren. Kunstwerke können dabei zwar eine Rolle spielen, aber es gibt viele andere Wege, sich der Schönheit auszusetzen. Der Mensch kann ohne Kunst, nicht aber ohne Schönheit leben. Joseph Beuys sah in jedem Menschen einen Künstler. Das ist für Frank Berzbach eine einfache und wahre Vorstellung. Denn die Kreativität ist nicht im Besitz der traditionellen Künste – nicht Maler, Musiker und Schriftsteller allein sind Schöpfer, sondern genauso Ingenieure, Gärtner und Krankenschwestern. Dr. Frank Berzbach unterrichtet Psychologie an der ecosign Akademie für Gestaltung und Kulturpädagogik an der Technischen Hochschule Köln.

Kunst ohne Korrespondenz zur Schönheit ist wertlos

Im historischen Rückblick wundert man sich, dass man das eine Zeit lang anders sah. Wahrscheinlich hat Joseph Beuys die Gesellschaft mit großer Kraft an etwas erinnert, das nur in der Moderne in Vergessenheit geraten war. Dass die Schönheit aus der Kunst verschwindet, dass sie dort sogar verpönt ist, sagt viel aus über das Unvermögen der Künstler. Es ist einfach, das Interesse an der Kunstszene gänzlich zu verlieren, wenn ihr die Schönheit abhandenkommt.

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„Die Form der Schönheit“ von Frank Berzbach


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Frank Berzbach erklärt: „Kunst ohne Korrespondenz zur Schönheit ist wertlos, aber die Schönheit ohne Bezug zur Kunst existiert unangefochten.“ Der Mensch hat große ästhetische Grundbedürfnisse. Die Form gibt ihm Halt und Begrenzung, in der er frei ist. Kreativität braucht Joseph Beuys Ansicht nach Vorbereitung, und zwar nicht nur im Sinne eines konkreten Projektmanagements. Das ganze Leben ist seiner Meinung nach Vorbereitung auf das schöpferische Handeln – ohne dieses ganze Leben geht es nicht.

Joseph Beuys forderte permanente Übung

Joseph Beuys wollte „Freiheit statt Freizeit“ – und es erklärt sich von selbst, dass dieser Mann kein „weekend“ kannte. Die Werktage waren für ihn Feiertrage der Selbstwirksamkeit. Die üblichen Zersplitterungen, Abtrennungen und Verschmutzungen hat dieser Künstler, nach tiefen Krisen, überwunden. Wer das spürt, für den ist er Kraftquelle und Orientierung. Das Heilsame der Schönheit kann sich bis zur Heiligkeit steigern, wenn die Transzendenz ins Spiel kommt, wenn das Heilige im Profanen aufblitzt.

Die spirituellen Schulen im Christentum und Buddhismus haben Übungsprogramme entwickelt. Gerade die buddhistischen Techniken schulen die Konzentration und erfordern viel Anstrengung. Sie haben großen Einfluss auf die Energie, mit der ein Mensch Schönheit erschaffen kann. Joseph Beuys forderte seine Studierenden zur permanenten Übung, Reinigung und harter Arbeit auf. Es ist ein ehrgeiziges Arbeitsethos, das sich mit dieser Kunst verbindet – aber er ist bestimmt von einem positiven Leistungsbegriff, nicht von entfremdeter Arbeit. Quelle: „Die Form der Schönheit“ von Frank Berzbach

Von Hans Klumbies