Zyniker machen die Welt schäbiger und kränker

Zynismus ist durchaus keine radikale Weltanschauung, sondern vielmehr ein Werkzeug des Status quo. Jamil Zaki erklärt: „Es nützt vor allem den Eliten, und das von Propagandisten gesäte Misstrauen dient vor allem dazu, die Menschen besser kontrollieren zu können. Korrupte Politiker verstecken sich vor ihrem Wählern, indem sie sie davon überzeugen, dass ohnehin alle korrupt sind.“ Und das, womit Medienunternehmer am meisten Geld verdienen, sind Verurteilung und Empörung. Ihr Produkt ist unser Zynismus, und das Geschäft floriert. Unsere Überzeugungen haben Einfluss darauf, wie wir andere Menschen behandeln, was wiederum deren Verhalten beeinflusst. Gedanken verändern die Welt, und der Zyniker macht sie schäbiger, trauriger und kränker. Dr. Jamil Zaki ist Professor für Psychologie an der Stanford University und Leiter des Stanford Social Neuroscience Lab.

Die Hoffnung kam als Teil eines Fluchs auf die Erde

Dabei ist die Haltung des Zynismus im Grunde genommen durch und durch unbeliebt. Die Amerikaner trauen einander zwar weniger als früher, aber gleichzeitig sind 79 Prozent des Ansicht, dass die Menschen einander zu wenig vertrauen. Jamil Zaki ergänzt: „Wir verabscheuen die Politiker der Gegenseite, aber gleichzeitig blicken mehr als 80 Prozent von uns mit Sorge auf die Spaltung der Gesellschaft.“ Zwar wünschen sich die meisten von uns eine Gesellschaft, die auf Mitgefühl und Verbundenheit basiert, aber der Zynismus flüstert uns dennoch ein, dass alles immer schlimmer wird, ganz egal, was wir tun.

Also tun wir gar nichts, und die Situation verschlimmert sich. Einem alten Mythos zufolge kam die Hoffnung als Teil eines Fluchs auf die Erde. Jamil Zaki erläutert: „Prometheus stahl das Feuer von den Göttern, und Zeus rächte den Diebstahl mit einem „Geschenk“. Er befahl Hephaistos, aus Lehm die erste Frau zu schaffen – Pandora – und sie dem Bruder des Prometheus zu schenken.“ Pandora wiederum erhielt ein Tongefäß, das sie auf Geheiß des Zeus niemals öffnen durfte.

Friedrich Nietzsche: „Die Hoffnung ist das Übelste der Übel“

Doch die Neugier übermannte sie, sie öffnete den Deckel, und heraus flogen alle Übel der Welt: Krankheiten und Hunger für den Körper, Bosheit und Neid für den Verstand, Krieg für die Städte. Jamil Zaki fügt hinzu: „Als Pandora ihren Fehler erkannte, schlug sie den Deckel wieder auf das Gefäß, in dem jetzt nur noch die Hoffnung war.“ Aber was hatte sie dort überhaupt zu suchen, neben all unserem Elend. Manche glauben, dass die Hoffnung das einzig Gute in Pandoras Büchse war, und dass wir nur noch tiefer ins Verderben gestürzt wurden, weil Pandora sie in der Büchse verschloss.

Andere meinen, dass sie perfekt zu den anderen Übeln passte. Der Philosoph Friedrich Nietzsche schrieb, „die Hoffnung ist das Übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert“. Jamil Zaki stellt fest: „Die Hoffnung wurde schon als wahnhaft und sogar als toxisch beschrieben, weil sie Menschen nicht nur dazu bringt, ihre eigenen Probleme zu ignorieren, sondern auch das Schlimme in der übrigen Welt.“ Wissenschaftler sehen das Phänomen der Hoffnung etwas anders. Der Psychologe Richard Lazarus schrieb: „Hoffnung ist der Glaube, dass etwas Positives, das im Moment nicht auf das eigene Leben zutrifft, doch noch eintreten könnte.“ Quelle: „Hoffnung & Skepsis“ von Jamil Zaki

Von Hans Klumbies