Eine der größten Errungenschaften der Menschheit ist die Seuchenbekämpfung durch präventive, kontrollierte Immunisierung, vergleichbar nur mit der Entdeckung der Antibiotika. Eva Menasse ergänzt: „Impfung und Antibiotika gemeinsam halfen, viel mehr Erreger zurückzudrängen und auszurotten, viel mehr Epidemien zu verhindern, als neue ausbrechen konnten. Auch daher die jahrzehntelange Ruhe und vermeintliche Sicherheit, auch daher die große Überraschung im Jahr 2020, dass es so etwas wie einen globalen Krankheitsausbruch überhaupt noch geben kann.“ In einem Gastkommentar, der eigentlich von den dramatischen Zuständen auf deutschen Intensivstationen handelte, versteckte der Münchner Intensivmediziner Matthias Baumgärtel eine bedeutsame These: „Zu den Seuchenbeschleunigern gehören die sogenannten sozialen Medien.“ Hätte es in den 60er und 70er Jahren schon das Internet gegeben, wäre es wahrscheinlich nicht gelungen, die Pocken auszurotten. Die Romane der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse sind vielfach ausgezeichnet worden.
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Passende Bücher bei Amazon findenDie sozialen Medien wirken nur mit der und durch die Masse
Massenhysterie kann sich in den sozialen Medien so ungebremst entwickeln wie die Fallzahlen. Die Erfolge einer historischen Errungenschaft werden also durch eine weitere Erfindung der Menschheit zurückgedreht. Eva Menasse erklärt: „Die sozialen Medien haben die Fähigkeit, wie eine Impfung in die andere Richtung zu wirken; sie verbrauten die Stoffe Aberglauben, Wissenschaftsskepsis, Anbetung der Individualität, aggressiver Egoismus, Selbstliebe, Kompromisslosigkeit. Sie führen zu Todesfällen und ernster Gesundheitsgefährdung.“
Sie zer-impfen in bestimmten Segmenten der Bevölkerung die Impfbereitschaft. Eva Menasse stellt fest: „Dabei beruht ihr Erfolg auf demselben Treibstoff wie jener von gelungenen Impfkampagnen; auch die sozialen Medien gewinnen ihren weltverändernden Charakter dadurch, dass sie die Massen erreichen, dass sie nur mit der und durch die Masse wirken.“ Erst als Massenphänomen wird so etwas überhaupt möglich: Impferfolge von Jahrzehnten zu beschädigen. Eine breitere Impfskepsis hat schon vor der Coronapandemie eingesetzt.
Die Idee der Impfung berührt ein Tabu
Das Innere des menschlichen Körpers, vielleicht noch mehr die mögliche Überwindung der Grenze zwischen innen und außen, ist seither heikel und angstgesetzt. Eva Menasse weiß: „Verschwörungserzählungen drehen sich oft um verfälschtes Blut und vergiftetes Wasser. Auch die alten judenfeindlichen Mythen funktionierten so.“ Den Juden wurde angedichtet, dass sie es beim „Ritualmord“ auf das „reine Blut“ der Christenkinder abgesehen hätten, und vorgeworfen, Brunnen zu vergiften – bedrohlich ist, was in Körper eindringt oder ihnen gewalttätig genommen wird.
Evolutionär gesehen ist das bestimmt vernünftig so. Bevor die Wissenschaft so weit war, Viren, Bakterien und Gifte zu identifizieren, wurden Menschen zu Sündenböcken gemacht. Eva Menasse erläutert: „Die Idee der Impfung berührt also ein Tabu. In den eigenen Körper wird etwas eingespeist, was seine Reaktionen verändert. Das ist keine harmlose Vorstellung. Und doch folgten die Menschen über ein Jahrhundert den Vorschlägen ihrer Eliten, der Ärzte, Wissenschaftler, Impfkommissionen.“ Quelle: „Alles und nichts sagen“ von Eva Menasse
Von Hans Klumbies
