Beim Sinn werden Zusammenhänge erkennbar

Für die einen ist alles voller Sinn, während in den Augen anderer von Grund auf alles in Frage steht, „alles egal“, „alles Unsinn“ ist. Gibt es „den Sinn“ überhaupt? Was könnte damit gemeint sein. Wilhelm Schmid erläutert: „Davon, dass etwas „Sinn macht“, ist immer dann die Rede, wenn Zusammenhänge erkennbar werden, wenn also einzelne Dinge, Menschen, Begebenheiten, Erfahrungen nicht isoliert für sich stehen, sondern in irgendeiner Weise aufeinander bezogen sind.“ So lässt sich sagen: Sinn, das ist Zusammenhang, Sinnlosigkeit demzufolge Zusammenhanglosigkeit. Das gilt schon bei einem einfachen Satz: Lässt die Anordnung der Wörter einen Zusammenhang erkennen, wir auch eine Aussage formuliert, ergibt der Satz Sinn, ansonsten ist eher von einem sinnlosen Gestammel die Rede. Prof. Dr. Wilhelm Schmid lebt als freier Philosoph in Berlin und lehrte bis 2018 Philosophie an der Universität Erfurt.

Mit Sinnlosigkeit ist schwerlich zu leben

Das gilt ebenso für ganze Ketten von Sätzen, die zu einem Text werden, der lesbar ist – oder auch nicht. Wilhelm Schmid stellt fest: „Jede Beziehung, die Menschen zueinander pflegen und die einen starken Zusammenhang zwischen ihnen stiftet, erfüllt sie offenkundig mit Sinn. Als „sinnlos“ kann hingegen empfunden werden, wenn Menschen ihr Tun nicht aufeinander abstimmen und somit zusammenhanglos agieren.“ Als „unsinnige Idee“ erscheint eine, die keine oder falsche Zusammenhänge herstellt.

Ob dies der Realität entspricht oder nur Einbildung ist, lässt sich, soweit zu sehen ist, nur subjektiv nach dem Maßstab der Plausibilität, nicht aber objektiv entscheiden. „Kein Sinn“ heißt nicht, dass da kein Sinn ist – es scheint vielleicht nur so. Wilhelm Schmid erklärt: „Zwar muss Sinnlosigkeit nicht um jeden Preis überwunden werden. Ein Problem ist lediglich, dass mit ihr schwerlich zu leben ist.“ Das Fehlen von Sinn ist ein Versiegen der Quellen des Lebens, da die Zusammenhäng des Tuns und Lebens nicht mehr sichtbar sind, nicht individuell, nicht gesellschaftlich.

Das Wichtigste im Leben ist Sinn

Sinn hingegen stellt eine unendliche Ressource an Kräften dar; er wirkt wie ein umfassendes Immunsystem, das Schwierigkeiten und Bedrohungen aller Art zu parieren erlaubt. Wilhelm Schmid betont: „Sinn begeistert. Sinn nährt. Nur diese Erfahrung setzt ausreichende Kräfte für die Bewältigung des gesamten Lebens und einzelner Lebenssituationen frei. Das Wichtigste im Leben ist somit Sinn, auf allen dafür möglichen Ebenen.“ Wenn Sinn aber nicht mehr von selbst zur Verfügung steht, dann beginnt die Arbeit am Sinn. Dabei handelt es sich um Arbeit an den Zusammenhängen des eigenen Lebens, soll es trotz allem sinnvoll gelebt werden.

Sinn setzt mit der Erfahrung von Sinnlichkeit ein. Wilhelm Schmid fügt hinzu: „Aus guten Gründen tragen die Sinne des Menschen in ihrem Namen schon den Sinn, der durch sie erfahrbar wird.“ Der Zusammenhang, den sie herstellen, ist derjenige zwischen Selbst und Welt, vermittelt über die fünf Sinne des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, Tastens sowie über einen sechsten Sinn für Bewegung und einen siebten, inneren Sinn, das sogenannte „Bauchgefühl“. Quelle: „Glück ist wichtig, aber nicht das Wichtigste im Leben von Wilhelm Schmid in „Der Geist im Gebirge“ von Konrad Paul Liessmann (Hg.)

Von Hans Klumbies