So viele Nachteile die Demokratie auch immer haben mag: Sie gilt vielen Menschen, die Erfahrungen mit ihr machen konnten, als beste Option. Zwar ist sie die Regierungsform, deren Unzulänglichkeiten die Kritik der Bürger unablässig auf sich zieht. Aber dadurch, dass sie diese Kritik zulässt und sich schon damit für Innovationen offenhält, ist sie anderen Systemen überlegen. Insbesondere solchen, die das Recht nicht achten und damit der Willkür des herrschenden Personals überlassen sind. Volker Gerhardt betont: „Die Demokratie setzt auf die gleiche Freiheit der Individuen, bietet Raum für öffentliche Debatten und kann so dem Gemeinwesen größere Chancen eröffnen.“ Das macht sie in vielem aufwändig und manchmal unbequem. Volker Gerhardt lehrte bis 2012 als Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Dort ist er auch weiterhin als Seniorprofessor tätig.
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Passende Bücher bei Amazon findenDie Demokratie bietet Rechtssicherheit und Meinungsfreiheit
Im Vergleich zu Diktaturen und Einparteienstaaten bietet die Demokratie Rechtssicherheit und größere Meinungsvielfalt. Also eröffnet sie der Mehrheit mehr Entfaltungsraum und einen höheren Anteil individueller Zufriedenheit. Zumindest solange sie als auskömmliches, möglichst berechenbares und Zukunftschancen bietendes Leben verspricht. Volker Gerhard stellt fest: „Solange diese Voraussetzungen gegeben sind, gehört der Demokratie die Zukunft. Und solange sie Erfolg hat, wird sie auch die besten Chancen haben, die Menschen überall auf der Welt für sich zu gewinnen.“
So könnte die Demokratie bereits in absehbarer Zeit die Verfassung sein, unter der die Mehrheit der Weltbevölkerung lebt und auch in Zukunft leben möchte. Aber was ist, wenn die Rahmenbedingungen sich ändern? Wenn wirtschaftliche Krisen, Kriege, Kriminalität oder Seuchen unerwartete Probleme schaffen? Dann könnten die politischen Vorzüge der Demokratie rasch an Attraktivität verlieren. Dann schlägt die Stunde der Demagogen und Populisten und mit ihnen sind Rechtssicherheit und Freiheit dahin.
Die erste Demokratie gab es vor 2500 Jahren in Athen
Volker Gerhardt weiß: „Die historischen Beispiele sind zahlreich. Die jüngsten Fälle sehen wir gegenwärtig in Hongkong und im Verhältnis zu Taiwan, in Russland, Venezuela, Brasilien, Myanmar oder Haiti.“ Die erste Demokratie hat es vor zweieinhalbtausend Jahren in Athen gegeben. Doch nach großen militärischen Erfolgen, einer staunenswerten Aufbauleistung und einer glanzvollen ersten Blüte war sie binnen weniger Jahrzehnte nur noch ein Schatten ihrer selbst und ging zugrunde.
Das Scheitern noch vor dem Ende des vieren vorchristlichen Jahrhunderts wirkte extrem ernüchternd. Sodass nicht nur in der nachfolgenden Antike, sondern auch im Mittelalter und der frühen Neuzeit die Demokratie als Regierungsform nicht mehr ernsthaft in Erwägung gezogen wurde. Über mehr als zweitausend Jahre blieb sie das Exempel für eine sich selbst den Untergang bereitende Verfassung. Die erste große philosophische Darstellung des griechischen Staatsverständnisses durch Platon stützt sich auf eine grundlegende Entsprechung zwischen dem Einzelmenschen und dem Staat. Quelle: „Individuum und Menschheit“ von Volker Gerhardt
Von Hans Klumbies
