Das richtige Vergleichen zählt zu den Prinzipien des guten Lebens

Eine persönliche Krise, die mehrere Ursachen hat, erfordert in der Regel ein ganzes Maßnahmenpaket zu ihrer Bewältigung – manche liegen in der Hand des Einzelnen, andere stellen eher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar, die auch politischer Initiative bedarf. Ulrich gibt dazu ein paar hilfreiche Hinweise, die sich seiner Meinung nach relativ einfach formulieren lassen: „Als Erstes wäre da die Empfehlung, sich in der Kunst des richtigen Vergleichens zu üben: Vergleichen Sie sich lieber mit sich selbst. Was kann ich besser, wo bin ich klüger als vor 1, 5 oder 10 Jahren. Statt der Versuchung nachzugeben, auf andere herabzublicken oder sich mit jenen zu messen, denen es vermutlich besser geht.“ Solche Vergleiche lenken nur von der konstruktiven Beschäftigung mit der eigenen Situation ab. Ulrich Schnabel ist seit über 25 Jahren Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT.

Manche Probleme sind nicht lösbar

Das betrifft insbesondere die Abziehbilder des Glücks, die den Menschen aus Illustrierten und der Werbung entgegenspringen. Die Kunst des richtigen Vergleichens empfiehlt sich auch in allen anderen Lebenslagen, ob in Bezug auf das vermeintliche Eheglück der anderen oder im Umgang mit schweren Krankheiten. Für den britischen Journalisten George Monbiot ist das richtige Vergleichen sogar eines der „drei Prinzipien, die den Kern des guten Lebens ausmachen“.

George Monbiot rät: „Denke mehr daran, wie viel schlechter es dir gehen könnte, als daran, wie viel besser es sein könnte.“ Auch die weiteren „Prinzipien des guten Lebens“ von George Monbiot sind bedenkenswert. So lautet die zweite: „Verändere das, was du verändern kannst, und akzeptiere das, was nicht zu ändern ist.“ Das ist keine Aufforderung zur Passivität, versichert George Monbiot. Doch trotz allen Veränderungswillens müsse man eben auch akzeptieren, dass manche Probleme nicht lösbar sind.

Das „Gelassenheitsgebet“ erfreut sich großer Beliebtheit

Ein gewisses Maß an Fatalismus hält George Monbiot unter solchen Umständen für durchaus „heilsam“. Natürlich ist dieses zweite „Lebensprinzip“ keine ausschließliche Erfindung von George Monbiot. Einer größeren Öffentlichkeit ist es in Form des sogenannten „Gelassenheitsgebets“ bekannt, das der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr während des Zweiten Weltkriegs verfasste und das sich seither bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut.

Reinhold Niebuhr bittet: „Gott, gibt mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Es tut gut, sich vor Augen zu führen, dass alle Menschen immer wieder mit unabänderlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden, die sie nicht lösen können; und dass der Versuch der ultimativen Perfektionierung des Lebens notgedrungen scheitern muss – selbst im reichen Westen mit all seiner Fortschrittlichkeit und materiellen Sicherheit. Quelle: „Zuversicht“ von Ulrich Schnabel

Von Hans Klumbies

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