Die angeborene Neugierde des Menschen erweist sich als vorteilhaft für Fake News. Thomas Erikson erklärt: „Sie sprechen unsere Gefühle und Einschätzungen an, um Klicks zu generieren und für Unterhaltung zu sorgen. Falschmeldungen über den Tod berühmter Persönlichkeiten oder über skandalöse Fehltritte von Politikern sorgen landauf, landab für Kontroversen.“ Egal wo man politisch steht, man kann sich felsenfest darauf verlassen, dass auch die von einem selbst unterstützte Partei die Wahrheit tendenziös darstellt. Daneben gibt es die sogenannten Trollfabriken, die stets und ständig als „Nachrichten“ verkleidete Propaganda und grobe Behauptungen mal über das eine, dann wieder über das andere produzieren. In der datenbasierten Welt werden Statistiken und wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für viele überzeugende Argumente und Standpunkte herangezogen. Thomas Erikson ist ein schwedischer Verhaltensexperte, international gefragter Vortragsredner, Leadership-Coach und Buchautor.
Eine Ideologie wiegt oft schwerer als Fakten
Diese Statistiken prägen das Verständnis der Allgemeinheit und finden allgemeine Zustimmung. Thomas Erikson fügt hinzu: „Ein häufiges Gegenargument lautet folgerichtig auch, etwas sei ja gar nicht wissenschaftlich erwiesen.“ Nicht einmal, was man mit eigenen Augen sehen kann, wird akzeptiert, solange es nicht eine halbe Million Studien gibt, die dann doch beweisen, was man erst nicht glauben wollte. Seltsam dabei ist, dass jemand, der sich gerade noch auf die Wissenschaft berufen hat, um seine Meinung zu untermauern, wissenschaftliche Belege völlig außer Acht lässt, wenn es um die Meinung eines anderen geht.
Wer eine bestimmte Position oder Überzeugung befürwortet, gerät leicht in Versuchung, zur Stärkung der eigenen Argumente statistische Zahlen zu beugen oder selektiv anzuwenden. Thomas Erikson erläutert: „Derartige Manipulationen werden beispielsweise vorgenommen, wenn eine Ideologie schwerer wiegt als die Fakten. Man will die Tatsachen auf eine bestimmte Art und Weise darstellen, selbst wenn für jeden glasklar ersichtlich ist, dass da etwas nicht stimmt.“
Mit Notlügen kann man unbequemen Wahrheiten ausweichen
Daher pokert man mit den Zahlen und sucht nach selektiven Beweisen für eine ausgedachte Wirklichkeit. Meistens geht die Versuchung, nicht die Wahrheit zu sagen, nicht mit öffentlichen Konsequenzen einher. Thomas Erikson stellt fest: „Kleine, auf den ersten Blick ungefährliche Lügen – auch Notlügen genannt – fassen häufig auch in unseren alltäglichen Begegnungen Fuß. Notlügen entspringen wohl zumeist aus Angst vor einer Konfrontation oder dem Wunsch, nicht für Missstimmung zu sorgen.“
Und das kann eine schlechte Angewohnheit werden, um unbequemen Wahrheiten auszuweichen. Thomas Erikson ergänzt: „Wenngleich die Absichten oft gut sind, ist die Folge doch, dass wir uns an die Unehrlichkeit gewöhnen, was letztlich echtes Verstehen verhindert.“ Um alle Fallgruppen der Lüge aufzuzählen, ist zunächst eine Kalibrierung unserer gesellschaftlichen Einschätzung und individueller Verantwortung nötig. An Ehrlichkeit und Integrität festzuhalten beginnt vermutlich mit Achtsamkeit und kritischem Denken. Quelle: „Alles Lügner!?“ von Thomas Erikson
Von Hans Klumbies
