Philosophen sind Liebhaber der Weisheit

Die Philosophen des antiken Griechenland verschmähten es, an die streitsüchtigen und unsterblichen in den zu glauben. Das beruhte meistens darauf, dass sie es vorzogen, darüber nachzudenken, was sowohl am Universum als auch an ihnen selbst wahrhaft göttlich war. Zu ergründen, was der Materie zugrunde lag. Das war gleichbedeutend damit, dass man erforschte, wie Menschen sich richtig verhalten sollten. Denn jenseits all der wimmelnden Vielfalt und der Veränderlichkeit menschlicher Bräuche existierte ein Muster für die Dinge. Tom Holland stellt fest: „Es war ewig und vollkommen und man musste es nur identifizieren. Und nicht in den Lügen der Dichter fand es sich, sondern in den Bewegungen des Kosmos.“ Der Autor und Journalist Tom Holland studierte in Cambridge und Oxford Geschichte und Literaturwissenschaft.

Die Sterne folgen unveränderlichen Kreisbahnen

Um das Jahr 350 v. Chr. herum, waren die berühmtesten Philosophen Athens zu der Erkenntnis gelangt, dass die scheinbar ungeregelten Bewegungen der Sterne in Wahrheit unwandelbaren geometrischen Gesetzen gehorchten. Das Universum selbst war also rational enthüllt worden – also als göttlich. Aristoteles schreibt: „Es gibt etwas, das bewegt, ohne selbst bewegt zu sein – etwas Ewiges.“ Der Philosoph stammte aus dem Norden Griechenland. Er hatte sich in Athen niedergelassen und dort eine Schule gegründet.

Im Himmel, so die Lehre des Aristoteles, waren die Körper ewig und folgten unveränderlichen Kreisbahnen. Doch diese Bewegungen hingen trotz ihrer Vollkommenheit noch ihrerseits von einem Beweger ab, der sich selbst nie bewegte. Aristoteles erklärt: „Das also ist Gott – das Prinzip, von dem Himmel und Natur abhängig sind. Eine solche Gottheit war zwar für all jene, die keine philosophische Ausbildung hatten, abschreckend metaphysisch. Dennoch gebührte ihr die Liebe aller Sterblichen.

Die neue Verfassung Athens entwarf ein Philosoph

Dass diese Liebe erwidert wurde, war allerdings außerordentlich unwahrscheinlich. Aristoteles sah jedenfalls davon ab zu sagen, dass es so sei. Man durfte kaum erwarten, dass die sublunare Welt den unbewegten Beweger irgendwie berühren könne. Weisheit zu lieben, so die Lehre des Aristoteles, bedeutete, den Geist in jenen Fähigkeiten zu schulen, die nötig waren, um die Gesetze des Kosmos aufzuspüren. Deshalb gab er sich nicht damit zufrieden, möglichst viele unterschiedliche Organismen zu studieren.

Darüber hinaus untersuchte Aristoteles die vielfältigsten Weisen, wie die Menschheit sich darum bemühte, sich selbst zu organisieren: „Denn von allen Lebewesen ist allein der Mensch fähig zu überlegen.“ Das Ziel war jedoch wie immer bei Aristoteles nicht lediglich die Zusammenstellung einer Liste, sondern die Erkenntnis der Grundzüge einer kosmischen Ordnung. Die neue Verfassung Athens entwarf nicht umsonst ein Philosoph. Sie war daraufhin entworfen, dass auch sie den ewigen, unveränderlichen Gesetzen gehorchte, die den Kosmos regierten. Quelle: „Herrschaft“ von Tom Holland

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.