Die Medien kommunizieren über das Strafen

Die Kommunikation über das Strafen findet ganz überwiegend durch die Vermittlung von technischen Medien statt: Presse, Film, Fernsehen und Internet. Thomas Fischer fügt hinzu: „Jedes dieser Medien hat spezifische Bedingungen und Wirkmechanismen. Jedes konstruiert Sinn anders.“ Zwischen Kunst-Medien wie insbesondere dem Film und einer Berichterstattung in Presse und Fernsehen bestehen für jeden sichtbare Unterschiede. Der symbolische Charakter der Kommunikation ist im Film nicht mehr so offenkundig wie im Theater, aber noch weithin rekonstruierbar. Im Fernsehen verschwimmen die Grenzen zwischen symbolisierender Fiktion und scheinbar authentischem Sprechen mit dem „lieben Zuschauer“ zusehends. Teilweise sucht man diese Grenzauflösung ausdrücklich. Etwa wenn Talkshows im Anschluss und mit unmittelbarem Bezug zu Kriminalfilmen gesendet werden. Thomas Fischer war bis 2017 Vorsitzender des Zweiten Senats des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe.

Das Internet hat die Kommunikation dramatisch verändert

Die Presse schließlich, im Sinne von Print- und Online-Presse, einschließlich professioneller Plattformen und Blogs, befasst sich mit der Vermittlung von Basisinformationen über Kriminalität und Strafrecht. Sie berichtet über Taten, Fahndungen, Prozesse und reflektiert in Kommentaren den Sinn, den diese Ereignisse für die Gesellschaft ergeben sollen oder können. Durch das Internet hat sich für Thomas Fischer eine dramatische Veränderung und Umformung der öffentlichen Kommunikation ergeben.

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Sie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass – scheinbar – die Hierarchisierung von Kommunikation abschafft. Jeder kann jetzt mit jedem zu jeder Zeit auf angeblich gleicher Ebene kommunizieren. Das ist in seinen strukturellen Auswirkungen sensationell, aus dem Blickwinkel der aufgeklärten Kommunikation der vergangenen 500 Jahre irrwitzig. Es ist individuell schwierig zu verarbeiten, da es sich innerhalb einer Lebensspanne vollzieht. Thomas Fischer weist noch einmal auf die Entstehung einer – scheinbar oder tatsächlichen – freien Form des Sprechenkönnens aller mit allen hin.

Zeitungen deuten meist nur die Wirklichkeit/strong>

Dies hängt auch zusammen mit einer Bündelung von vorgeblich authentischen Kommunikation in Räumen, die nicht die Filtermechanismen der herkömmlichen Pressestruktur steuern. Diese neigen dazu, sich von einer prinzipiell die ganze Gesellschaft umfassenden Sinnstruktur zu entfernen und abgegrenzte, selbstbezügliche Deutungen der Wirklichkeit zu entwerfen. Dass Justiz und Presse nichts miteinander zu tun hätten, außer das Letztere über Erstere berichten, stimmt laut Thomas Fischer nicht.

Tatsächlich geht es stets darum, wie, von wem und warum eine kommunikative Wahrheit über die Wirklichkeit konstruiert wird. Und auf welche Weise die jeweils gewählte, herrschende, durchgesetzte oder bevorzugte Form das Weltverständnis und den Handlungssinn der Menschen bestimmt. Anders gesagt: Zeitungen mögen richtig oder falsch, gut oder schlecht gemeint über die Wirklichkeit berichten. Sie sind doch stets vor allem Deutungen, die sich auf kommunikative und daher wirkliche Macht beziehen. Quelle: „Über das Strafen“ von Thomas Fischer

Von Hans Klumbies