Ein technisches Zeitalter ist nicht bloß durch den äußerlich sichtbaren Umstand gekennzeichnet, dass Menschen viele technologische Gegenstände benutzen. Christian Uhle betont: „Vielmehr prägt Technik auch die Weise, durch das Leben zu gehen und soziale Beziehungen zu gestalten.“ In der phänomenologischen Philosophie wurde das besonders herausgearbeitet. Hier wurde immer wieder die grundsätzliche Frage gestellt: Was ist Technik? Technik ist nicht nur etwas, das ich sehen kann. Technik ist eine innere Einstellung, eine Grundhaltung gegenüber der eigenen Welt, die darauf abzielt, Dinge unter Kontrolle zu bringen, sie sich anzueignen und nach den eigenen Vorstellungen zu formen. Technik ist eine Grundstruktur unserer Gesellschaften. Diese Struktur hat große Parallelen zu dem, was der Philosoph und Psychoanalytiker Erich Fromm als „das Haben“ bezeichnet hat. Der Philosoph Christian Uhle hat als Wissenschaftler zu gesellschaftlichen und technologischen Transformationen geforscht.
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Passende Bücher bei Amazon findenTechnik durchdringt unsere Lebensbereiche immer tiefer
Erich Fromm geht davon aus, dass wir grundsätzlich auf zwei Arten durchs Leben gehen können: Aus der Haltung des Habens heraus versuchen wir, die Welt an unsere eigenen Bedürfnisse anzupassen, sehen sie als eine Ressource, als ein Ding, das uns zur Verfügung steht und das wir gewissermaßen besitzen können. Christian Uhle fügt hinzu: „Aus der Haltung des Seins hingegen öffnen wir uns der Welt, lassen uns berühren und auf sie ein.“ Sinn erfahren wir also erst, wenn wir in der Haltung des Seins mit anderen in Beziehung treten und uns auf die Welt einlassen.
Und so ist dies vielleicht die größte Gefahr einer Technisierung: die Gefahr eines inneren Sinnverlusts. Diese Gefahr besteht nicht direkt, sondern indirekt. Wir stürzen nicht in eine Sinnkrise, nur weil wir eine elektrische Zahnbürste benutzen. Der Zusammenhang ist subtiler. Christian Uhle erklärt: „Wenn Technik unsere Lebensbereiche immer tiefer durchdringt, dann kann unsere eigene Perspektive technischer werden und eine Haltung des Habens gefördert werden, die zwar pragmatisch und effizient ist, aber weniger feinfühlig gegenüber den Mitmenschen und dem Zauber in dieser Welt.
Technik sollte nicht zu einem allumfassenden Paradigma werden
Die Folge ist dann eine innere Entfremdung gegenüber der Welt, das Gespür die die eigene Eingebundenheit bekommt Risse. Christian Uhle stellt fest: „In gewisser Hinsicht liegt das in der Natur der Sache, denn das Verhältnis Ich-Technik-Welt ist ein distanziertes Verhältnis. Da steht etwas zwischen mir und der Welt.“ Da habe ich keinen direkten Kontakt, spüre nicht unmittelbar. All des im Einzelnen zu verteufeln, wäre naiv und fehlgeleitet. Ein nostalgisches „Zurück in die Höhle!“ kann keine adäquate Antwort für unser Zeitalter sein.
Insbesondere wenn wir an konkrete Beispiele denken – Gabeln, Schuhe, Computer – wird deutlich, dass sie wichtige Funktionen erfüllen. Insofern gilt die Kritik weniger solchen Einzelfällen als vielmehr der Gesamtstruktur. Christian Uhle erläutert: „Technik sollte nicht zu einem allumfassenden Paradigma werden. Das ist der Knackpunkt. Technik ist nicht an sich problematisch, aber wenn sie zu tief in unsere Perspektiven einsickert, werden wir irgendwann selbst zu Robotern.“ Quelle: „Künstliche Intelligenz und echtes Leben“ von Christian Uhle
Von Hans Klumbies
