Skandale entstehen durch fehlendes Zuhören im System einer Organisation

Skandale haben eine gemeinsame Ur-Ursache – fehlendes Zuhören im System einer Organisation. Bernhard Pörksen erklärt: „Immer gibt es Anzeichen, die übersehen werden, immer gibt es jemanden, der warnt oder dies zumindest versucht. Immer gibt es Menschen, die merken, das etwas nicht stimmt, oder aus einem Unbehagen heraus eine Intuition artikulieren, der es sich lohnen würde nachzugehen. Aber eben dies unterbleibt.“ Ein paar Beispiele: Die amerikanische Soldatin Chelsea Manning – früher Bradley Manning – sprach mit ihren Vorgesetzten, bevor sie vertrauliche Dokumente, die schwere Kriegsverbrechen der USA im Irak dokumentierten, an Wikileaks weitergab. Die NSA-Angestellten Thomas Drake und Edward Snowden und die Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen beschwerten sich zunächst intern, bevor sie zu Whistleblowern wurden und weltweit für Aufsehen sorgten. Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen.

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Bernhard Pörksen entwickelt eine Philosophie des Zuhörens

Bernhard Pörksen schreibt: „In der gegenwärtigen Situation, vor dem Horizont ineinander verschlungener Krisen, einer allgemeinen Polarisierungsfurcht und der neuen Macht von Populisten und Ideologen, gewinnt eine Frage an Brisanz, die eine Philosophie des Zuhörens umtreiben muss. Sie lautet: Wem überhaupt zuhören?“ Nur „den Richtigen“ oder auch „den Falschen“? Gilt es beispielsweise vor dem Hintergrund der Wahlerfolge populistischer Parteien, Rechtsextremen Gehör zu schenken? Tut man dies, um sie zu verstehen, weil man zumindest ein partielles Einverständnis für möglich hält? Oder geschieht dies, um die Gesinnung der Parteigänger unvoreingenommen zu begreifen, um sie gut begründet und kenntnisreich zu verurteilen und maximal effektiv zu bekämpfen? Was ist das Ziel: das verständnissinnige, von Sympathie geprägte Verstehen oder die klare Verurteilung? Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen.

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Es besteht immer die Gefahr des vorschnellen Urteils

Vorurteile, Vorannahmen und nur scher erschütterbare Überzeugungen bestimmen, was Menschen hören können. Es ist die Gefahr des sofortigen Bescheidwissens und des vorschnellen Urteils, das das neue Buch „Zuhören“ von Bernhard Pörksen in immer neuen Anläufen in drei Kapiteln umkreist. Zu Beginn skizziert der Autor die Konturen einer „Philosophie des Zuhörens“, diskutiert grundlegende Fragen und schildert eigene Motive und Erfahrungen. Es folgen detaillierte Beobachtungen, Illustrationen einer „Praxis des Zuhörens“, Versuche der Erweiterung der Wahrnehmung durch maximale Präzision, die Sichtbarmachung von Kontexten. Das Buch endet in der Gegenwart unserer Diskurse und einer Auseinandersetzung mit der „Politik des Zuhörens“. Der Kontext ist die Botschaft, das wird hier erneut deutlich. Bernhard Pörksen betont: „Ohne Kontext, ohne die Analyse einer je besonderen Situation können wir nicht zu einem gerechten Urteil gelangen und keine adäquate Position entdecken.“ Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen.

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Ängste lassen sich in Freiheit verwandeln

Das neue Philosophie Magazin 03/2025 erforscht in seinem Titelthema das mächtige Gefühl der Angst. Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler schreibt: „Wer sich ängstigt, merkt, wie die Optionen schwinden. Handlungsmacht geht in Ohnmacht über. Viele Menschen werden ohne realen Anlass von extremer Angst übermannt.“ In Deutschland sind circa 10 bis 14 Prozent von einer Angststörung betroffen. In der existenziellen Philosophie indes hat die Angst eine andere Funktion. Sie ist keine Enge, sondern ein Schwindel, der einen Menschen angesichts seiner Freiheit erfasst. Existenziell ist der Mensch, weil nur er selbst seinem Dasein eine Sinn geben kann. Nichts und niemand kann ihm diese Last abnehmen. Wie große eine Bedrohung auch sein mag: Jeder Mensch hat immer die Freiheit, seine Angst zu überwinden, sich nicht durch sie bestimmen zu lassen. Das neue Philosophie Magazin zeigt daher Wege auf, Angst in Freiheit zu verwandeln.

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