Skandale haben eine gemeinsame Ur-Ursache – fehlendes Zuhören im System einer Organisation. Bernhard Pörksen erklärt: „Immer gibt es Anzeichen, die übersehen werden, immer gibt es jemanden, der warnt oder dies zumindest versucht. Immer gibt es Menschen, die merken, das etwas nicht stimmt, oder aus einem Unbehagen heraus eine Intuition artikulieren, der es sich lohnen würde nachzugehen. Aber eben dies unterbleibt.“ Ein paar Beispiele: Die amerikanische Soldatin Chelsea Manning – früher Bradley Manning – sprach mit ihren Vorgesetzten, bevor sie vertrauliche Dokumente, die schwere Kriegsverbrechen der USA im Irak dokumentierten, an Wikileaks weitergab. Die NSA-Angestellten Thomas Drake und Edward Snowden und die Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen beschwerten sich zunächst intern, bevor sie zu Whistleblowern wurden und weltweit für Aufsehen sorgten. Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen.