Hugo Chávez trat sein Amt als Präsident Venezuelas 1998 an, nachdem er im Wahlkampf lautstark einen tiefgreifenden Wandel gefordert hatte. Anne Applebaum stellt fest: „Vierzig Jahre zuvor war die Republik Venezuela, damals der reichste Staat in Südamerika, mit dem Ende der Militärdiktatur zu einer der stärksten Demokratien geworden. Doch wie in so vielen Ölstaaten waren die traditionellen Formen von Korruption und Vetternwirtschaft weit verbreitet.“ Politiker wurden geschmiert im vergaben im Gegenzug Aufträge an ihre Freunde. Als die Ölpreise in den 1990er-Jahren fielen, wuchs der Unmut über dieses Arrangement. Hugo Chávez, der als Oberstleutnant der venezolanischen Armee 1992 einen gescheiterten Putschversuch angeführt hatte, erkannte die Wut der Bürger und nutzte sich für sich. Die Historikerin und Journalistin Anne Elizabeth Applebaum zählt zu den profiliertesten Kritikerinnen autoritärer Herrschaftssysteme und russisches Expansionspolitik.