Das Streiten kann auch eine konstruktive Richtung einschlagen

Wenn das Streiten nicht auf Konsens zielt, sondern vom Prinzip der Differenz und von starken Affekten durchwirkt ist – was hält streitende Beziehungspartner, streitende Freunde, streitende Bürger dann noch zusammen? Svenja Flasspöhler erklärt: „In einer ersten Annäherung ließe sich so sagen: Damit ein Streit nicht eskaliert und die Parteien unwiederbringlich auseinandertreibt, müssen die Bindungskräfte mächtiger sein als der Vernichtungsdrang.“ Nur wenn die Anziehung stärker ist als die Abstoßung, kann das Streiten eine konstruktive Richtung nehmen. Doch ist diese Bestimmung noch nicht exakt genug. Denn auch Bindungen können destruktiv wirken, etwa, wenn sie erzwungen sind. Umkehrt kann die Bereitschaft zur Vernichtung lebensrettend sein, etwa im Akt der Selbstverteidigung. Was also lässt Menschen im Streit die Verbindung halten? Svenja Flasspöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins.

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